Gastkolumne Nikolas Maltezos: Über den indischen Straßenverkehr- Spezielle Eindrücke während meiner Indienreise im Oktober und November 2017

 Nikolas Maltezos 
Gespannt war ich auf den indischen Straßenverkehr und ich sollte nicht enttäuscht werden. Schnell reifte in mir die Erkenntnis, dass die ersten Chaostheorien durch Beobachtung dessen abgelichtet worden waren. Fahrbahnmarkierungen sind hier eher Empfehlung, die beim Aufkommen erhöhten Verkehrs, ihre Verbindlichkeit verlieren. So wird aus einer originär zweispurigen Straße bei entsprechenden Aufkommen schnell mal eine fünfspurige. So etwas wie Linksfahrgebot gibt es nicht. Überholen, Einfädeln, Abbiegen findet nach eigenem Gusto und nicht nach den Maßstab einer, wie auch immer gearteten, Straßenverkehrsordnung statt. 

Der Verkehr trägt soziadarwinistische Züge. Derjenige, der mit dem schnelleren Auto, potenteren Fahrer und der entsprechenden Kaltschnäuzigkeit ausgestattet ist, bewegt sich hier rascher und kann mitunter pro 100km eine Zeitersparnis von bis zu 30 Sekunden heraus schlagen. Das ist enorm. Für das ungeübte europäische Auge mutet der Verkehr unkoordiniert und willkürlich an. Ist er aber nicht. Selbst das Chaos kann ohne eine gewisse Ordnung nicht existieren. Zwischen den am Verkehr beteiligten gibt es ein ausgeprägtes und ausgeklügeltes Kommunikationssystem. 

Rechtmäßiges Überholen über links wird mit kurzem ca. eine Sekunde andauerndem Hupen angedeutet. Unrechtmäßiges Überholen über rechts mindestens doppelt so langes Hupen, je nach Eile des Fahrers bis zum Abschluss des Überholvorgangs. Durchzwängen zwischen zwei Autos muss mit zweimal drei Sekunden andauernden Hupen angekündigt werden. Hinzu kommt ein kurzer Hornstoß beim Passieren. Obligatorisch ist das Hupen auch zum Anzeigen des Abbiegevorgangs. Hierbei spielt es keine Rolle, ob man sich mutterseelenallein allein auf der Straße befindet. Vorfahrtsregeln sind gänzlich unbekannt. Weshalb böse Zungen behaupten, man könne in diesem Verkehr als Absolvent einer europäischen Fahrschule nicht zurechtkommen, ist mir noch immer schleierhaft

Verwunderlich (was schnell verfliegt) am indischen Straßenverkehr ist ebenfalls, dass an roten Ampeln nicht gehalten wird. Fahren in Gegenrichtung ist ebenfalls möglich. Zumindest auf Landstraßen und soweit man dies auf den Seitenstreifen beschränkt. Dieses Verhalten wurde auf Mautstraßen bzw Autobahnen nicht gesichtet. 

Inder sind sehr wohl fähig Fahrbahnmarkierungen zu beachten, soweit die Verkehrsdichte eine Anhäufung von sechs bis sieben Autos pro Kilometer nicht überschreitet. Insofern muss ich meine Meinung über den grundsätzlichen Drang, sich nicht an Regeln zu halten, revidieren. Es könnte aber auch sein, dass die hiesige Tourismusbehörde einige Komparsen auf die Autobahn geschickt hat.Die Nachforschungen diesbezüglich dauern noch an. Auffällig ist auch, dass die Gurtpflicht ernst genommen wird. Nicht angegurtete Fahrer sind sind sehr selten zu sehen. Richtungswechsel werden überwiegend gewissenhaft angezeigt. Ein kleiner Nachtrag zum Hupen. Neben seinem verkehrstechnischen Funktion scheint das Hupen auch eine psychologische Komponente zu haben. So in etwa nach dem Motto: "Hoppla, jetzt komm ich!"(Hans Albers) oder besser in meinen Augen "Ich bin Ich. Ich bin jetzt. Das allein ist meine Welt" (Rosenstolz). 

Daneben hat es natürlich auch eine Alibifunktion. Im Falle eines Zusammenstoßes, kann man sich noch immer damit herausreden, man hätte ja gehupt und so die Verantwortung auf den Unfallgegner abgewälzt, denn dieser habe die durch entsprechendes Hupen angezeigte Situation missachtet und so den Unfall provoziert. Ein ebenfalls kleiner Nachtrag zur Verkehrsdichte. Dass man sich bei einem solch hohem Verkehrsaufkommen, so als hätte sich ganz Dehli just in dem Moment entschieden auf die Straße zu gehen, so man selbst sich dazu aufgerafft hat, die Verkehrsdichte gefühlt ca eine Million Autos pro qm beträgt und einer Melange der Viskositätsklasse 5 entspricht, unwohl fühlt, liegt wohl eher an der eigenen Psychologie, die ich in nunmehr über vierzigjährigem Leben in Deutschland angeeignet habe. 

Deutsche Autofahrer achten peinlichst genau auf gebührenden Abstand. Statistiken zur Folge verlieren Deutsche lieber einen entfernten Verwandten, als dass ihr Auto einen Totalschaden erleidet. Wird der Sicherheitsabstand unterschritten oder kommt es gar (wenn auch nur leichten) Berührung, so kann die probate Antwort hierauf nur der Einsatz des SEK lieber noch der GSG9 sein, um den Drängler in seine Schranken zu weisen. Solches Verhalten ist am liebsten mit lebenslanger Freiheitsstrafe zu bestrafen, lieber noch die Todesstrafe einzuführen. Ebenso beim Parken. Deutsche würden am liebsten einen Minengürtel ums eigene Auto ziehen. Der gemeine Inder hat solche Berührungsängste nicht. Die Verkehrsdichte ist dermaßen hoch, dass die Toleranzschwelle hierzu doppelt exponentiell verringert hat. Das Auto ist und bleibt ein Fortbewegungsmittel. Aber erklärt das mal in Deutschland. Dass Auffahrten als Ausfahrten und umgekehrt genutzt werden, sei hier an Rande erwähnt und kann angesichts der bisherigen Ausführungen nicht wirklich verwundern.

Nikolas Maltezos:

Gastkolumen Arno von Rosen: Unser täglich Brot ...

 Brot
gib uns heute“, steht schon in der Bibel. Auch in anderen Glaubensbekenntnissen und Religionen ist Essen und dessen Darreichung ein entscheidendes Thema, aber es geht heute nicht um alte Schriften, sondern um hochmoderne Wissenschaft. Eines ist aber ganz sicher. Von Zusatzstoffen wie Chemikalien, Enzymen und Antibiotika in unserer Nahrung, hatten diese Zeitgenossen keine Ahnung. Also, was ist unser heutiges tägliches Essen und was ist da drin? Es geht mir in diesem Artikel weder um grundsätzliche Einstellungen zu Tieren (ob man diese essen sollte oder lieber nicht), pflanzlichen Produkten oder dergleichen mehr, sondern um das was ist und wo gefühlt die Mehrzahl der Menschen offensichtlich hin möchte.

Die Politik würde uns gerne weniger Fleisch essen lassen und Wissenschaftler unterstützen sie dabei. Klasse Idee! Immerhin hat der Deutsche seinen Fleischkonsum von 68kg auf 60kg zwischen 1975 und 2016 gesenkt. Das sind nur 164g pro Tag und die Nahrungsinstitute empfehlen nicht mehr als 200g Fleisch und Wurst am Tag zu essen. Sie haben den Fehler sicher schon entdeckt, denn es sind natürlich alle Deutschen in dieser Statistik vom Säugling bis zum Greis, also essen wir einfach zu viel Fleisch. Insgesamt 4,8 Millionen Tonnen und damit alle drei Monate ein Tier (hier hätte ich mir vom Bundesamt gewünscht etwas differenzierter darzulegen welches Tier die meinen, denn ein Schwein hat kaum nur 15kg Gewicht). Trotzdem wurden im Jahr 2016 über 8,2 Millionen Tonnen Fleisch produziert. Wo ist das hin, wenn doch der Fleischkonsum der Verbraucher angeblich kaum noch zu bändigen ist?

 Abgeschaffter Lebensraum
Insgesamt werden alleine in Deutschland jährlich 18 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen (wir würden also erst am 4. Mai anfangen die produzierten Lebensmittel zu essen, der Rest landet im Müll), ob zu Hause, im Supermarkt, damit der Kunde immer einwandfreie Ware angeboten bekommt, wegen unsachgemäßer Lagerung oder weil es psychologisch besser ist, die Regale im Einkaufsladen immer gefüllt zu behalten und mal Hand aufs Herz. Wer greift bei vollen Regalen nicht nach hinten, um etwas mit längerem Haltbarkeitsdatum zu ergattern, obwohl es in einer Woche verbraucht ist, aber erst in Monaten abläuft? Eben, da ist viel Bauchgefühl dabei und unser Hirn bleibt weitestgehend abgeschaltet. Dieses gilt ebenso für die kleinen Schriften auf den Lebensmittelverpackungen, die wir entweder nicht mehr lesen können und wenn, keine Ahnung haben, was da drauf steht. Alleine Zucker hat fünf (oder mehr?) Begriffe. Ist das alles Zufall?

Nein! Das es keine Lebensmittelampel auf Produkten gibt, wo drauf steht wie viel Zucker, Fett oder Kohlenhydrate unserer täglichen Dosis drin sind ist natürlich von der Industrie gewollt und wird durch Lobbyisten durchgesetzt, welche Posten vergeben, Parteispenden zahlen und sogar Mitarbeiter der Ministerien finanzieren, die dann die Gesetzestexte schreiben, welche im Bundestag abgesegnet werden. So weit, so schlimm, aber es geht natürlich nicht linear weiter, sondern exponentiell. So werden Fleischprodukte, die wir Deutschen nicht mögen (Fleischteile wie z.B. Hähnchenflügel, Schweinsfüße, Innereien usw.) nach Afrika transportiert, natürlich mit Subventionen, sodass der Markt dort zusammenbricht, weil wir das Fleisch billiger verkaufen, als die Menschen vor Ort es selber produzieren könnten. Die Folgen kennen wir in Form von Wirtschaftszusammenbrüchen, Kriegen und Flucht. Sogar die Lufthansa bekommt jährlich rund 200.000 Euro Subventionen, weil sie ihr Essen erst außerhalb der EU Zone serviert und damit das Fleisch ausführt.

 Lieblingsteile
Wer übrigens geglaubt hat Bioware sei Unbedenklich und mit hoher Moral essbar irrt gewaltig. Die Biobedingungen sind trotzdem Massentierhaltung mit minimal mehr Platz und etwas mehr Pflege, doch trotzdem noch so schlecht, dass man nicht von artgerechter Haltung sprechen kann. Auch dort werden die Verordnungen zumeist geschickt ausgehebelt. So müssen Bio- Hühner freie Flächen haben, um den nötigen Auslauf zu gewähren. Da dies aber viel mehr Arbeit bedeutet um Eier einzusammeln, vor Krankheit zu schützen oder Hühner abends wieder in den Stall zu bringen, gibt es nur offene Freiflächen. Diese Nutzen Hühner nie, da diese Sträucher benötigen, um sich vor Greifvögeln sicher zu fühlen, ergo bleiben diese Tiere nur nahe beim Stall. Diese Art der Biohaltung und dessen Ausheblung ließe sich beliebig fortsetzen. So ist es natürlich ebenfalls beim Gemüseanbau, wo nur noch Erzeuger wie z.B. Demeter und wenige andere gute Standards setzen, die aber mit dem europäischen Biosiegel nicht viel gemeinsam haben, da dieses bereits vor Jahren in der Umsetzung stark abgeschwächt wurde, um uns möglichst viel Bio anbieten zu können. So muss sich der Verbraucher gewollt durch einen undurchdringlichen Wust an Gütesiegeln kämpfen ohne jemals wirklich zu wissen, was diese beinhalten.

Abgesehen davon, werden in der Lebensmittelbranche nur etwa 3 Prozent in Bioqualität erzeugt, von dem was der Markt insgesamt anbietet und ob Obst aus Übersee wirklich so Bio ist, wenn es mit Flugzeugen oder Schwerölschiffen zu uns gebracht wird, überlasse ich jedem selber. Unser Landwirtschaftsminister Christian Schmidt kam aus Paris und berichtete Stolz davon, dass Deutschland und sein Agrarmarkt vom Pariser Protokoll ausgeschlossen wurde und sich nun nicht an dessen Regeln halten müsse, aber alle haben nur über den Austritt von Trump geredet und ich kann seinen Schritt sogar teilweise nachvollziehen, da es nichts bringt dauernd Wasser zu predigen, aber Sekt zu verschütten, auch wenn seine Gründe sicher auch andere waren. Damit geht die Verseuchung des Deutschen Grundwassers ungebremst weiter, ohne angepasste und verschärfte Regeln, aber warum? Weil China inzwischen größter Importeur des deutschen Billigfleisches ist, der Subventionen sei dank. Wir müssten also nur die Hälfte aller Tiere halten, wenn wir alleine unseren verschwenderischen Bedarf decken wollten und da ist die Lebensmittelverschwendung noch nicht einmal einberechnet. So ist Umweltschutz und Tierwohl eine Farce.

 Massentierhaltung
Leider ist das immer noch nicht die schlimmste Causa in der Lebensmittelindustrie, abgesehen davon, dass Millionen Menschen weltweit Hungern, weil Grundnahrungsmittel seit Jahren an den weltweiten Börsen als Spekulationsobjekt gehandelt werden und alleine in Indien jedes Jahr mehr Getreide vergammelt, als es bräuchte, um den Welthunger abzuschaffen. Es liegt also nicht an den Kapazitäten, wir benötigen auch nicht mehr Ackerland, mehr Wasser, mehr Pestizide, sondern den Willen jeder Regierung der Welt, die Grundrechte jedes einzelnen Menschen zu achten und zu schützen, welche immer mit ausreichendem Essen einhergehen. Selbst hier hungern Menschen, betroffen von Altersarmut oder sozialen Abstieg durch alleinerziehende Elternteile. Ja, unsere Lebensmittel mögen auf den ersten Blick sehr preiswert sein, aber den wahren Preis bezahlen wir, wie beim Atomstrom, erst Jahrzehnte später mit der Zerstörung unserer Umwelt und unserer Gesundheit. So gibt inzwischen der oberste Hüter unserer Gesundheit, dass Robert Koch Institut, die letzten streng behüteten Antibiotika-Reserven heraus, die zurückbehalten werden, um doch noch eine Waffe gegen multiresistente Keime zu haben, für Menschen, bei denen normale Antibiotika nicht mehr wirken, da wir diese Desensibilisierung auch durch den Verzehr von Fleisch entwickelt haben. (Alleine in deutschen Krankenhäusern sterben pro Jahr zwischen 1000 und 4000 Patienten an multiresistenten Erregern und die Zahl steigt stetig).

 Pestizide
Das wäre im Prinzip auch in Ordnung, schließlich hat die Gesundheit des Menschen Priorität, doch die Wahrheit ist niederschmetternd, denn das Institut gibt diese letzte Bastion des Schutzes an die Massentierhalter aus, auf ausdrückliche politische Anweisung, damit der Produzentenmarkt auch weiterhin ungebremst florieren kann. Eine Stellungnahme hierzu lehnte das Institut ab, da es sich um zu großen politischen Sprengstoff handele. Die Folgen kann sich jeder selbst ausrechnen, wenn es keine Antibiotika mehr für Menschen gibt, die uns vor Erregern schützen, weil wir durch den Verzehr unserer Lebensmittel immun geworden sind. Wir sollten also nicht deshalb weniger Fleisch essen, weil wir unserer Gesundheit vielleicht direkt schaden, sondern wir sollten die Politik unter Druck setzen, nicht das Leben unserer Familien ohne Not auf den Roulettetisch der Konzerne und Lobbyisten zu werfen, mit dem sicheren Ergebnis immer auf der Verliererseite zu stehen. Schon jetzt kündigen viele Gemeinden mit Massentierhaltungsproblemen an, die Wasserpreise um etwa 25 Prozent anzuheben, da die Überdüngung des Grundwassers höhere Reinigungs- und Aufbereitungsarbeiten mit sich bringen, zu unserem Wohle natürlich.

 Obst aus aller Welt
Da sind es nur Randnotizen, dass jetzt eine Gruppe aus Wissenschaftlern vor dem Aussterben der Insekten gewarnt hat (darüber habe ich bereits im Frühjahr berichtet) und der Grund ist nicht schwer zu finden. Außer zu vielen Giftstoffen, welche in unserer Natur landen, fehlen einfach entsprechende natürliche Freiflächen, wie es sie zumindest früher in Ackerrandgebieten gab, doch die Politik verteilt Gelder dafür diese ebenfalls zu mähen und damit den Lebensraum weiter einzuschränken. Vieles ist also völlig unüberlegt selber fabriziert und würde nicht einmal Aufwand bedeuten es zu korrigieren, aber welcher landwirtschaftliche Betrieb verzichtet schon freiwillig auf Gelder? Was unsere Regierung bei der Massentierhaltung übrigens gerne verschweigt sind die Subventionen aus Brüssel, welche nur an größere Betriebe ausgezahlt werden, was zu einer Explosion solcher Tierquälerproduktionsstätten geführt hat und damit auch den Untergang des normalen Landwirtes besiegelte, denn den Bauern, welcher seinen Tieren noch Namen gibt und diese liebevoll streichelt, gibt es fast nur noch im Märchen.

Mein heutiges Zitat stammt von Robert Koch (1843-1910) deutscher Bakteriologe, Nobelpreis für Medizin 1905.

"Wenn der Arzt hinter dem Sarg seines Patienten geht, so folgt manchmal die Ursache der Wirkung." (Setzen Sie für den Arzt einfach jede Regierung ein)

 Arno von Rosen
Es grüßt Sie Ihr mit eiskalten Schauern überzogener Arno von Rosen, Buchautor, Kolumnist, Blogger und Hinterdiekulissengucker. Nach der Recherche von diesem Thema hätte ich nicht so viel essen können, wie ich kotzen wollte, aber ich bin überzeugt davon, dass wir als Gemeinschaft nur miteinander und nicht gegeneinander etwas verändern können und so umarme ich jeden, egal was dieser Mensch isst, wenn er gewillt ist dieses System zu verändern, während die Medien seit 4 Wochen nur Wasserstandsmeldungen über die Farben der zukünftigen Regierung abgeben.

Foto: aus dem Bestand von Arno von Rosen



Gastkolumne Arno von Rosen: Der fette Augenblick

 Erdölindustrie
Zuerst müssen wir mal ein paar Zeiten festhalten, ohne die kein wirkliches Verständnis für uns Menschen möglich ist. Wir kennen solche Begriffe wie, Kreide-, Jura-, Trias- oder Permzeit (wer sich noch an seine Schulzeit erinnern kann). Dies sind nur Bezeichnungen für Systeme, eine kleine Unterteilung für die tatsächlichen Zeitalter, die hunderte von Millionen Jahren gedauert haben. Derzeit leben wir im Hadaikum, welches seit 600 Millionen Jahren anhält und sicher auch noch so lange besteht, wie es uns Menschen auf der Erde gibt. Danach sind die Einteilungen natürlich überflüssig. Wir selber kennen uns besser mit Bronze- und Eisenzeit aus. Tatsächlich gibt es jetzt erste Vorstösse ein neues Zeitalter auszuschreiben. Das Anthropozän = Zeitalter des Menschen. Warum? Nie hat der Mensch mehr den Planeten verändert als derzeit und zudem ist Eisen/ Stahl auf dem absteigenden Ast, was unsere verwendeten Materialien betrifft, denn wir lieben und leben im Kunstoffzeitalter. Damit meine ich nicht Plastiktüten, die unsere Weltmeere zu Müllhalden gemacht haben und unsere Meeresböden mit Teppichen übersäen, sondern den normalen Alltag von Verpackungen, bis hin zur Bekleidung aus Einwegflaschen. Nehmen wir den Kunststoff aus unserem Leben, stehen wir buchstäblich fast nackt da.

 Grüne Spur
Nun gibt es rund um das Thema Erdöl und anderer fossiler Bodenschätze unterschiedliche Meinungen, wie lange diese Vorräte halten. BP, zum Beispiel, sagt voraus, dass selbst im Jahre 2050 Erdöl in großen Mengen vorhanden sein wird (Quelle: Welt und Süddeutsche) und das kann sogar stimmen, obwohl renommierte Zeitungen so ihre Zweifel, ob der Uneigennützigkeit diese Mitteilung haben, aber die Technologie schreitet rasant voran, sodass die Erdölförderung, die in den USA ab den 1970ern zurück ging, seit 2009 wieder um über 60 Prozent gestiegen ist. Es lässt sich nur vermuten wie lange wir über all diese Ressourcen verfügen, aber sagen wir einfach mal 200 Jahre, okay? Wäre doch noch ganz schön lange und keiner müsste auf sein heißgeliebtes Auto oder die wunderbaren Flugreisen verzichten, nicht wahr? Also wir auf jeden Fall nicht, denn in etwa 25 Jahren stecke ich in einer Urne und was jucken mich dann noch Bodenschätze! Dann kann der Meeresspiegel ruhig ansteigen (dies ist übrigens auch nur eine Teilwahrheit, denn viele Inseln versinken im Meer, weil der Bausand auf der Welt knapp wird und jetzt schon am Meeresgrund abgeschöpft werden muss, um all die wahnwitzigen Wolkenkratzer zu bauen). der Planet darf sich erwärmen und die Tiere dürfen ungeniert den Planeten voll furzen.

 Konsumtempel
Leider funktioniert unser Ökosystem so nicht, denn es hat weder lineare Entwicklungen, noch bemerkt es schnell unsere Bemühungen, denn Öl, Kohle & Co. haben mehr als 100 Millionen Jahre benötigt, um zu unseren Rohstoffen zu werden (in dieser Zeit sind umweltbelastende Stoffe darin gebunden worden und haben Leben im großen Stil erst möglich gemacht) und wenn man bedenkt, dass die Industrialisierung erst um 1750 in England begonnen hat und in riesigen Erdteilen wie Asien und Südamerika erst um 1950, kann man das Ausmaß unseres Verhaltens langsam begreifen. Seit dem 16. Jahrhundert haben wir fast die Hälfte des weltweiten Waldes von 6,2 Milliarden Quadratkilometern auf etwa 3,5 Milliarden abgeholzt und jährlich verschwinden weitere 130.000 Quadratkilometer (mehr als Österreich und Schweiz zusammen). Zunächst für den Schiffsbau, Häuser oder als Brennholz und später Papier, Möbel und vieles mehr. Die reichsten Familien der USA wie, Vanderbils & Co. begründen ihren Reichtum auf Holzverarbeitung. So verwundert es nicht, dass in den USA 70 Prozent des einstiegen Waldes gerodet wurde und viele Gegenden zu Wüsten werden oder heillose Überschwemungen ganze Landstriche heimsuchen. 

 Waldrodung
Irland ist bekannt als die grüne Insel und dies ist sie schon sehr lange. Zwar standen dort früher überwiegend Bäume und heute nur noch Weideflächen für die Viehhaltung, damit wir subventioniertes Fleisch und Butter von da beziehen dürfen, aber dieses Grün verschwindet spätestens, wenn der Golfstrom abbricht oder sich stark verlangsamt, denn er bestimmt unser mildes Klima in Europa und sorgt für den Austausch von Nährstoffen für den Fischreichtum (leider nicht mehr so reich, durch grenzenlose Überfischung), denn sonst hätten wir mindestens 6 Monate tiefsten Winter pro Jahr. Um den ganzen Planeten zirkulieren Meeresströmungen, die nicht nur von Meerestieren für ihre Wanderungen benutzt werden, sondern bereits von Entdeckern per Schiff genutzt wurden, um neue Länder und Handelsrouten zu erschließen. Sie merken schon, es geht im großen und ganzen um Geld und den gegenseitigen Verkauf von Gütern über Länder und Ozeane hinweg. Die Globalisierung begann also schon mit den alten Phöniziern und ist keine Erfindung des 21. Jahrhunderts, wie uns Politiker gerne weiss machen wollen.

 Weltweit abschmelzende Gletscher
Wie können Sie oder ich persönlich unsere Erde schützen und wieder in den Urzustand zurück versetzen, zumindest ansatzweise? Gar nicht, leider. Ich schreibe es nicht so drastisch, um Effekthascherei zu betreiben, sondern weil unsere Natur so nicht funktioniert. Ein Ökosystem, welches in knapp 300 Jahren Ressourcen aus etwa 50 Millionen Jahren verbraucht (sehr wohlwollende Angabe), kann nicht in 20, 50 oder 100 Jahren wieder repariert werden. Nicht nur, weil die schädlichen Stoffe in der Atmosphäre sich nicht abbauen (von selbst oder künstlich) oder weil wir genauso viel Dreck in die Umwelt pusten wie immer, sondern weil die Eingriffe in unsere Natur unumkehrbar sind. Tiere und Pflanzen, welche täglich aussterben und dies mit einer dreimal höheren Rate als jemals zuvor, fehlen, um ein Gleichgewicht zu erhalten. So entstehen Wüsten, Missernten (sehen wir bereits bei uns selbst), Wetterkatastrophen, Hungersnöte, verseuchte Meere und Ländereien oder Luft, die uns im wahrsten Sinne des Wortes den Atem nimmt. Dabei rede ich noch nicht einmal von den normalen Zyklen unseres blauen Schmuckstückes wie, Erd- oder Seebeben, Meteoriteneinschläge und eigene Klimaverschiebungen, die selbstverständlich auf unserem noch sehr aktiven Planeten zu seinem Alltag gehören, denn wir sind nur ein Blinzeln im Auge der Zeit, welche eine ungeheure Vielfalt und Entwicklungsmöglichkeit für uns geboten hat. Wir haben also ein Ungleichgewicht und dieses kippt nicht langsam, wie Sie jetzt eventuell denken könnten, sondern es bricht ab. Wir sollten also spätestens vorgestern damit beginnen unsere Pflanzen so zu verändern, dass diese sich selbst bestäuben, sonst bleiben die Regale in den Supermärkten irgendwann in naher Zukunft ziemlich leer.

 Arno von Rosen
Sie sollten sich aber nicht grämen oder gar in Panik verfallen, denn Sie gehören zu den privilegierten Lebewesen, welche diese reiche Zeit wie ein Füllhorn über sich ausgeschüttet sahen. Obst, woher Sie wollen, Fahrzeuge für jedes Familienmitglied, Reisen wohin uns der Sinn steht, immer die neueste Technik, mehr Freizeit, größtes Angebot jemals an Aktivitäten und so lange leben, wie keine Generation zuvor. Dies alles wird solange von Wirtschaft und Politik aufrecht erhalten, wie überhaupt möglich, denn der Mensch ist nur einigermaßen friedlich, wenn er beschäftigt wird/ ist oder abgelenkt, so wie derzeit. Das ist überhaupt kein Vorwurf an irgendjemand unter Ihnen, denn ich bin genauso verschwenderisch wie jeder andere in Industrieländern. Meine Lebensmittel stammen nicht von um die Ecke (das meiste Bio ist sowieso ein Schwindel), ich sitze an einem modernen PC, sehe auf einer riesigen Glotze fern, da spielt der Sender fast keine Rolle mehr und die Welt sehen möchte ich ebenfalls. Nur meine Flugangst hält mich von mehr Zerstörung ab. Was machen da schon weggelassene Plastiktüten aus, nur ein Fahrzeug in der Familie, bisschen Bio, laufen wenn es geht, Klamotten aus nachwachsenden Rohstoffen? Nix, ganz ehrlich. Selbst, wenn wir in Europa ab morgen alle umschwenken (Utopia lässt grüßen), wird es die nächsten 150 Jahre erst einmal viel schlimmer, bevor wir Stillstand erreichen und da haben wir die eigene Pläne des Planeten nicht berücksichtigt. Die Zerstörung einer ganzen Region oder Großstadt auf der Welt, durch eine Naturkatastrophe stürzt unsere Gesellschaft in eine nie gekannte Gewaltspirale, denn Wirtschaftsverlust bedeutet Arbeitsplatzverlust, bedeutet Armut, Hunger, sozialer Abstieg, Rassismus, Antisemitismus und Gewalt bis hin zum Krieg. Das dieses keine Spinnerei ist, sehen wir an nicht mal 1 Million Flüchtlinge, die uns rechte Parteien bescheren und ein nicht gekanntes Maß an Fremdenhass, bei allen negativen Begleiterscheinungen, die eine solche Situation mit sich bringt. Wir sind nur scheinzivilisiert und jeder Urinstinkt in uns wird nach dem eigenen Überleben schreien, ob wir dies wahrhaben wollen oder nicht.

Mein heutiges Zitat stammt von Oscar Wilde (1854-1900, Oscar Fingal O’Flahertie Wills Wilde) Irischer Schriftsteller. "Der Mensch ist vielerlei, aber vernünftig ist er nicht." 

Es grüßt Sie Ihr überflüssiger Arno von Rosen, bloggt zu viel, schreibt zu viel, kocht zu viel und fotografiert zu viel. Zum Glück denke ich auch zu viel, sonst wäre mein Leben für die Erde nur erbärmlich. Bleiben Sie tapfer, fröhlich, geduldig und wenn Ihnen der Sinn danach steht, tun Sie unserem Planeten etwas Gutes.


Foto: aus dem Bestand von Arno von Rosen



Gastkolumne Arno von Rosen: Ein Tag mit Marcia Zuckermann

 Marica Zuckermann
Ohne soziale Medien wären wir uns wohl nie begegnet und schon alleine wegen solcher Gelegenheiten finden wir beide diese Plattformen gut. Es kommt eben immer darauf an, was man/ frau aus einer solchen Sache macht und Marcia ist ein sehr interessierter und ein noch interessanterer Mensch. Deshalb habe ich überhaupt nicht uneigennützig daran mitgewirkt, sie nach Marburg für eine Lesung ihres Buches "Mischpoke" (Jüdisch für bucklige Verwandtschaft) zu locken. Von der Ankunft am Bahnhof, bis zur Abfahrt in ihr geliebtes Berlin, bin ich ihr, bis auf die Nachtruhe, nicht von der Seite gewichen und habe dabei einen außergewöhnlichen Menschen kennen gelernt.

 In den Einträgen bei Wikipedia oder Google kann man nachlesen, wie die Gründerin des Berliner "ZITTY" Magazines (existiert heute noch) ihre Lehrjahre in New York, Paris, London und Barcelona verbrachte. Mir erscheint es eher so, als hätte Marcia Zuckermanns Neugierde und Furchtlosigkeit sie in die Welt hinaus getrieben und keine mögliche Lehrzeit. Bei jedem Gespräch mit ihr blickt man in dunkle funkelnde Augen, die hinter der Stirn ihres Gegenübers nach Wahrheit, Aufrichtigkeit und Inhalt suchen. Nie so, dass ihr Gesprächspartner das Gefühl des ausgeliefert seins verspüren könnte, denn sie ist höflich, aber resolut, bescheiden, aber sie weiß was sie will, bodenständig und doch ein wenig eitel (als ich ihr die Photografien unserer zwei Tage zeigte und sie mir ihre Schokoladenseite erklärte) und doch bleibt man besser man selbst, denn eine Rolle würde sie sofort entlarven. Sicher eine Eigenschaft, die ein selbstständiges Lebens zwangsläufig mit sich bringt, vorausgesetzt man bringt den nötigen Intellekt dafür auf. Marcia als rüstig zu bezeichnen, wird der Sache nicht annähernd gerecht, schließlich ist es schwer, ihr bei der Führung durch Marburg zu folgen und gleichzeitig alle Fragen zu beantworten, egal welches Geburtsdatum im Netz nun das richtige ist (anm. d. Red. "Ich weiß es").

Die Vorbereitung ihrer Lesung überlässt sie niemandem und ist an jedem Detail interessiert und prüft alles, vom Licht, bis hin zur Technik. Keine Frage, diese Frau hat einen Plan fürs Leben, egal in welchem Land sie sich befindet oder welche Menschen sie auch trifft. Ich persönlich mag es abgecheckt zu werden und Taten sind mir immer lieber, als darüber zu reden, weshalb die Vorbereitung für diese Lesung zwar 10 Monate gedauert hat, aber nur 5 Nachrichten und kein Telefonat benötigt hat. Effizient eben, so wie Marcia Zuckermann es mag, ohne große Schnörkel. Dabei hat sie einen guten Humor, bei dem der politisch korrekte Normalbürger die Ohren anlegen würde, nicht Etepetete, sondern gerade heraus, so wie sie selbst.

Da die Lesung in einem berühmten alten Café in der Marburger Oberstadt stattfand, wurde mir versichert, dass die Geräuschkulisse doch erheblich sein werde und die Autorin versicherte mir ihrerseits, damit leicht und schnell fertig zu werden. Nun, bis auf ein unvorsichtig lautes Grüppchen von Sonntagsausflüglern, die lärmend den falschen Bereich des Cafés entern wollten und die sie mit einem halben Satz sofort zur Umkehr bewegte, konnte man während der kompletten Lesung eine Stecknadel fallen hören, falls sich diesen Fauxpas jemand getraut hätte. Natürlich sollte man einer Vorleserin Respekt entgegen bringen, schließlich ist ja jeder Anwesende genau deswegen gekommen, aber mir erschloss sich ein gänzlich anderes Bild.

Marcia Zuckermann hat während dieser guten Stunde eine Aura erschaffen, als ob es das leichteste der Welt wäre, von einer kleinen, quirligen Frau zu einer Lesegöttin zu mutieren und doch wirkte es spielerisch. Was vorher nur hinter den klugen Augen verborgen blieb, warf jetzt erbarmungslos sein Netz aus und selbst der Journalist der oberhessischen Presse, ein sehr junger Mann, folgte der Lesung mit stummer Begeisterung und blieb auch nach dem kurzen Interview noch eine Weile, obwohl es Sonntag war und der Artikel am Montag erscheinen sollte. Die Lesung hatte mehr den Charakter eines Theaterstückes als Kammerspiel und ihre Stimme brachte im Berlinerisch der Jahrhundertwende (1900) die Geschehnisse ihrer Familie so nahe, als ob man diese durch einen Türspalt vom Nebenraum aus betrachten könnte. Untermalt mit Musik und ein paar Liedern, welche dramaturgisch zwischen die Kapitel gesetzt wurden, verging die Zeit wie ein Nebel an einem Sommermorgen.

Die Zuhörer waren so beeindruckt, dass sie kaum eine Frage heraus brachten, aber auch dort trat wieder der Humor der Autorin zu Tage, die kurzerhand selber die nicht gestellten Fragen beantwortete, sehr zum Gefallen des Publikums, welches dann natürlich seine Einzelgespräche und Widmungen bekam ohne den geringsten Zeitdruck. Ich habe Marcia später noch versucht einzureden ein Hörbuch unbedingt selber einzulesen, aber sie winkte nur ab und behauptete, dass dieses ja dann vier Tage dauern würde, bei so vielen Stimmbandpausen. So appelliere ich an die zukünftigen Verleger und Macher rund um diese außergewöhnliche Autorin, denn diese Zeit wäre, kaufmännisch betrachtet, ein goldenes Investment. Jene unter Ihnen, die Lesungen abhalten, organisieren oder sich dafür interessieren, kann ich nur raten, sich Frau Zuckermann für ein solches Event zu angeln, bevor es zeitlich nicht mehr möglich ist.

Mein Zitat von heute stammt von Marcia Zuckermann (absolut alterslos und Sternzeichen Stier) Journalistin, Autorin, Weltenbürgerin und Philanthropin. - 

 "Ick les nich nur vor, det is mir zu langweilig, die Leute wolln doch eine Show!"

Es grüßt Sie Ihr zuhöriger Arno von Rosen, Buchautor, Kolumnist, Blogger und Vorleserinnenbegleiter. Mein Rat für die nächsten Jahre. Treffen Sie mehr interessante Menschen und lassen Sie sich mal ordentlich vorlesen, denn das Leben ist zu kurz, um auf die schönen Dinge des Lebens zu verzichten.

Foto: aus dem Bestand von Arno von Rosen



Gastkolumne: Arno von Rosen- Nachrichten ..

...waren für mich als Kind der Mann Karl-Heinz Köpke von der Tagesschau. Andere Nachrichten waren mir zumindest nicht bekannt. Genau um 20 Uhr saß gefühlt ganz Deutschland vor dem zumeist Schwarz-Weiß -Fernseher und blickte in das konzentrierte und sonst ausdruckslose Gesicht des Mister Tagesschau. Selbst unser Graupapagei konnte den Gong mit Ansage auswendig. Was dort vorgelesen wurde schien uns wahr, wichtig und wurde anstandslos akzeptiert. Es war die Grundlage jedes aktuellen Wissens über Deutschland und die Welt. Nur eines hat sich über die vielen Jahrzehnte nicht verändert. Der Konflikt zwischen Israel und Palästina, doch sonst ist kein Stein auf dem anderen geblieben.Wir leben in einem multidimensionalen Umfeld, was die Informationen anbelangt. 

TV Medien mit Nachrichtenformaten sind so häufig wie die Zecken auf dem Hund nach einem Wald und Wiesenspaziergang. Dazu verzweifelte Online Zeitungen (Ableger kaum noch gelesener Papierausgaben), welche alle versuchen die Information als erstes auf den Markt zu bringen, überflügelt von den sozialen Plattformen, Bloggern und natürlich jedem halbwegs Prominenten, der sofort seinen Senf dazu gibt, um ja seine Fangemeinde mit Lachanfällen, Staunen oder Betroffenheitsmitteilungen zu drangsalieren. Doch wie gut sind die Nachrichten, wie werden diese heute ausgewählt und wie tief geht dann die Information?

Beim TV gibt es zwei Möglichkeiten. Die öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalten, welche sich über Gebühren finanzieren und die freien Sender, die mit Hilfe von Werbung Fernsehen und damit Nachrichten machen. Das alleine ist sicher nicht der Grund für eventuelle Qualitätsunterschiede, obwohl es für das GEZ Fernsehen nicht in erster Linie um Quoten geht, so wie bei den privaten Sendern, aber ich belasse es beim Vergleich der Hauptnachrichten, obwohl die nur einen kleinen Teil dieser Sparte ausmachen. Natürlich jammern alle über die Kosten von Journalisten, Auslandskorrespondenten und Büros in aller Welt. Wie oft solche Niederlassungsleiter benötigt werden, erkennen wir an den schon bekannten Namen mancher Journalisten, wie einst Peter Scholl-Latour oder an der Unaufgeräumtheit und Stammelei eines Kollegen, der vielleicht das erste Mal vor der Kamera steht und das gleich bei einer Ausnahmesituation, ansonsten würde ja kein Bericht über die Mattscheibe laufen.

Die Güte liegt also an der Professionalität eines Journalisten, seiner Ausstattung, seinen Recherche-Möglichkeiten und seinen guten oder weniger guten Verbindungen in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft seines Standortes, zunächst. Die Auswahl aller Nachrichten trifft anschließend ein Gremium des Hauptsenders, die jene Themen besprechen, die am Abend gezeigt und besprochen werden sollen/ dürfen (schon hier wird selektiert, ob man einem Hauptgeldgeber ans Bein pinkelt und wenn ja, wie viele Tröpfchen). Stehen die Beiträge fest, wird mit Hochdruck an einer Sendung gearbeitet, damit zum Schluss etwa 12 Minuten Nachrichten herauskommen. Der Rest ist dann Sport und das Wetter. Ergeben diese Themen bei den Privatsendern keine ganze Sendung, wird mit bereits vorproduziertem Material aufgefüllt oder mit jahreszeitlichen Informationen gearbeitet, wie zum Beispiel Urlaubsländer und deren Sitten, Gesetze oder auch mal Niedliches wie Tierbeiträge oder andere Themen. Dieses sind aber keine Nachrichten, sondern es handelt sich um Infotainment, mit dem der Zuschauer am Bildschirm festgehalten werden soll/ muss, denn nur, wenn die Zuschauerquote hoch genug ist, steigen Sponsoren für Nachrichtensendungen ein und zahlen sehr viel Geld dafür vor oder zwischen Nachrichtenteilen Spots zu schalten.

Bei den öffentlich-rechtlichen Sendern existiert dieser Druck nicht, weshalb man dort auch keine Urlauberbefragungen über schlechtes Wetter zu sehen bekommt, oder wie drollige Tiere im Zoo sind oder anderer Quark. Doch bedeutet dies auch gleichzeitig eine gute Tiefe der Information? Gemeint ist zum Beispiel ein neuer Gesetzentwurf, Auswirkungen von Katastrophen, einfach Hintergrundinformationen, die der Zuschauer gerne erfahren möchte. Nein, leider wird selbst in der Tagesschau, den Tagesthemen, dem Heute-Journal und vielen anderen Formaten dezent auf eine App hingewiesen oder auf eine Internetseite. 

Wäre Deutschland zu 99% vernetzt, könnte ich dies voll nachvollziehen, sehe ich mir jedoch die vorhandenen Bandbreiten des WWW in allen Regionen Deutschlands an, addiere dazu unsere bekannte Alterspyramide, die uns ja ständig vor Augen gehalten wird, ergibt sich daraus ein großer abgehängter Teil Bundesbürger, die von diesen Informationen abgehängt sind,sie aber nicht erhalten können. Das erfüllt sicher auch nicht den Informationsauftrag der per Gesetz für die GEZ Sendeanstalten vorgegeben ist.Was die Neutralität anbelangt sind längst alle Züge abgefahren, hüben wie drüben, denn es bestimmt der Zahler die Musik, welche bei den Nachrichten gespielt wird. Geht nicht, sagen Sie? Falsch, geht doch und das sehr gut. 

Dass Sender zugunsten von Parteien arbeiten, ist schon länger so und deshalb ist eine Sendergruppe namens RTL gerne bei der SPD vor Ort, während sich ARD und ZDF lieber mit der CDU beschäftigen und auch alle gerne unabhängige Meinungsforschungsinstitute beauftragen eine objektive Aussage von Bürgern zu erhalten (Sie erinnern sich an meine Art damit umzugehen?) und das funktioniert folgendermaßen. Der Auftraggeber möchte wissen, wie beliebt Merkel oder Schulz in der Bevölkerung sind und stellen 5 Fragen: 
Wem vertrauen Sie eher in der Außenpolitik? 
Für wie zuverlässig halten Sie den Kandidaten? 
Wem trauen Sie mehr Veränderungen zu? 
Wer wird für eine sicherere Zukunft Sorge tragen? 
Wer hat seine Wahlversprechen solider finanziert?

Sie brauchen es mir nicht zu sagen, denn das Ergebnis der Umfrage ist pro Merkel ausgelegt, obwohl meine Fragen neutral aussehen, sind sie es nicht und so funktionieren Umfragen, denn in der Regel will der Auftraggeber schon vorher wissen, wie das Ergebnis ausfällt. Doch diese Umfragen beeinflussen Menschen erheblich, denn gerade die Unentschlossenen und Wankelmütigen schließen sich gerne der Schwarmintelligenz, also der Masse an. Leider funktionieren so oder so ähnlich alle Nachrichten, nur fällt es nicht in dieser Größenordnung auf, denn wer ist schon geschult im herausfiltern von Halbwahrheiten? Stimmt es, wenn eine Nachrichtensendung darüber informiert, dass von 2005 bis 2009 der Sprit um 50% teurer geworden ist? Ja, es stimmt. Doch hätte man die Jahre von 2002 hinzugenommen, wären es 100% gewesen. Es gibt also irgendwo eine Interessensgruppe die lieber einen geringeren Anstieg suggeriert hätte, als in Wirklichkeit. Ist es dann noch die Wahrheit oder bereits eine Halbwahrheit oder gar eine Lüge?

Tatsache ist, dass kaum ein Mensch während einer Nachrichtensendung diese Fakten überprüfen oder dieses Ergebnis später via eigener Recherche verifizieren kann und damit rechnet natürlich der Verantwortliche für ein solches Format, egal ob Chefredakteur, Spartenboss oder Senderchef. Für die Sender ist es "Business as usual", aber für uns ist es die Grundlage vieler Entscheidungen und damit meine ich nicht sich Butter zu kaufen, weil die Bauern mehr Milchgeld haben wollen, sondern ich meine große Anschaffungen wie ein Fahrzeug, Diesel oder nicht, mit Strom, Hybrid, Gas usw. oder Dämmung von Eigenheimen, Altersvorsorge und vieles mehr. Geschieht dies aufgrund falscher, gefälschter oder halber Wahrheiten, kann das Ergebnis fatal sein, so wie bei der Riester-Rente, die wirklich NUR den Konzernen gedient hat und nicht dem Sparer. Jetzt kaufen die Menschen wieder vermehrt Benzinfahrzeuge, obwohl diese viel mehr CO² in die Luft blasen als jeder Diesel, ein Umweltdilemma ersten Grades und von Elektrofahrzeugen (welche ja auch Emissionsreduziert hergestellt werden müssten, ebenso wie der Strom dafür) ist keine Spur auf dem deutschen Autobauermarkt zu sehen.

Machen Sie sich durchaus einmal die Mühe den tatsächlichen Nachrichtenanteil aus einer Sendung mit der Uhr herauszustoppen, keine Einleitungs- und Überleitungssätze, keine Vorankündigungen was noch später in der Sendung gezeigt wird, keine Interviews von Politikern, die wieder viel erzählen, aber nichts wirklich meinen. Sie werden erstaunt sein, wie wenig da an tatsächlichen Nachrichten übrig bleibt. Dazu noch Bilder von verwüsteten Innenstädten nach Anschlägen, immer und immer wiederholt, Tote, Verletzte, Blutlachen, Notaufnahmen in Krankenhäusern, alles Dinge, die Sie später bei jedem Gesetzesvorschlag beeinflussen werden und die mit dem Nachrichtenanteil nicht das geringste zu tun haben, aber welche ohne jegliche Schamgrenze gegen Sie und die Opfer ausgestoßen werden, oder wollten Sie Ihre eigene tote Familie auf einem Bordstein in irgendeiner Stadt auf der Welt liegen sehen, um die Sensationsgeilheit einiger Quoten und Geldmacher zu unterstützen? Sicher nicht! Jedenfalls ich nicht, weshalb ich mir solche Beiträge gar nicht erst ansehe.

Mein Zitat von heute stammt von Rita Süssmuth (geb. 1937, CDU):

"Den Boden für neues Denken, Innovation und Ziele zu bereiten, ist auch Aufgabe der Medien" - ein Schelm, der böses dabei denkt.

Es grüßt Sie Ihr informierter, argwöhnischer und nicht leichtgläubiger Arno von Rosen, Buchautor, Kolumnist, Blogger und Wissbegieriger. Lassen Sie sich nicht ein X für ein U vormachen, denn oft genug ist es ein Y mit Zuckerguss unter dem sich ein Z versteckt und nur darauf warten, Ihnen in den Allerwertesten zu beißen.

Foto: aus dem Bestand von Arno von Rosen



Gastkolumne: Arno von Rosen: Sport ist ... Mord!

Sie wussten, dass ich das schreiben würde? Gut, ich wusste, dass Sie das denken würden. Nun sind wir quitt und wenden uns dem Artikel zu, denn er ist ernst und ich kenne mich mit körperlicher Ertüchtigung wirklich aus. Zwischen meinem 17 und 23 Lebensjahr habe ich Hochleistungssport betrieben und damit meine ich 6 Tage Training die Woche. Jeweils 2-3 Stunden am Morgen und 3-4 Stunden am Nachmittag. Keine Muckibude, sondern Übungen mit dem eigenen Körpergewicht und Ausdauertraining mit 100 km Rad fahren, 10-25 km Lauftraining und 2-3 Kilometer schwimmen (am Tag). 800 m in 1 min 58 sek, Marathon 2,38 Std. Dazu Football, Tanzen und Brötchen holen in der 5 km entfernten Bäckerei als Aufwärmtraing. Ergebnis: Ruhepuls 46, Gewicht 72 kg, Größe 180 cm, 800 Watt für 3 min bei max 196 Herzschlägen, Lunge 5,7 Liter, Herz fast doppelte Größe. Dazu schon damals ausgewogene Ernährung ohne Alkohohl, aber Kohlenhydrate bis der Arzt kommt. Echten Sportlern werden diese Werte etwas sagen, aber es dient nur zur besseren Anschauung und ein gewisses Verständnis, wie lange es dauert eine solche Form zu erreichen. Worum gehts?

Wir lieben Spitzensport und wenn jemand besonders erfolgreich ist, wird er gerne mal zum Helden. Ob Rad fahren oder Leichtathletik, aber auch der Fußball ist Spitzensport. Wer das nicht glaubt, soll einfach mal das Spielfeld 4 mal ablaufen (nicht spazieren) und danach seinen Puls messen und wie lange es dauert, bis dieser wieder unter 100 Schlägen pro Minute ist. Bei mir waren es 60 Sekunden, um von 160 Schlägen wieder auf 90 zu kommen und nach 5 Minuten war er bereits im Ruhepulsbereich. Es gibt keine Tricks, um diese Werte zu erreichen. Weder chic klingende Bauchtrainer, die ich beim Fernsehgucken umschnalle, noch (un)leckere Drinks und ebenfalls keine noch so ausgefeilte Diät. Es hilft alleine die Beständigkeit und die körperlichen Voraussetzungen, welche angeboren sind wie, Größe, Muskulaturaufbau, Sauerstoffumsetzung, exzellentes Knochengerüst usw. Natürlich gibt es verbotene Substanzen, die entweder die Muskulatur aufbauen oder Produkte, welche mehr Sauerstoff in den Körper bringen (Epo, ein körpereigener Stoff in gewissen Mengen) und damit eine schnellere Regeneration des Körpers bewirken, also den Punkt, wo der normale Mensch tagelang mit Muskelschmerzen und Energieverlust leben muss, die sich Extremsportler nicht leisten können. Wieso nicht?

Nehmen wir mal den Radsport und hier gleich die viel gepriesene Tour der Leiden durch Frankreich. Nach den Dopingskandalen der vergangenen Jahre und der teilweisen Abstinenz der öffentlich rechtlichen Sender, ist wieder alles beim alten. Sie fahren wieder, unsere Helden, egal aus welcher Nation. Da erleidet der Gladiator auch schon mal einen Einbruch und verliert viel Zeit auf einer Etappe, aber am nächsten Tag greift er natürlich an, überwindet seinen inneren Schweinehund, wächst über sich hinaus und vollbringt ein Wunder! Falsch. Wunder gibt es nur in der Natur und da wäre es schon ein Wunder, wenn solche Strapazen keine gesundheitlichen Schäden hinterlassen, denn was wir als übermenschlich bezeichnen ist es auch. Um solche Tage, gleich mehrfach, überstehen zu können, reicht die Regenerationsfähigkeit selbst eines austrainierten Körpers nicht aus, denn unser Organismus ist für diese Dauerhöchstleistung nicht gebaut, weshalb dann mit sauerstoffangereichtertem Blut und anderen Mittelchen nachgeholfen wird. Dies gilt natürlich ebenfalls für den Fußball oder ganz ohne Frage für Leichtathletik. Beispiele?

Wer kennt nicht noch Carl Lewis, King Carl, der Goldmedaillen reihenweise für die überlege USA abgeräumt hat oder seinen bösen Kontrahenten, Ben Johnson (Kanada), welcher bis zur Halskrause gedopt war. Übrigens genauso wie Carl, nur, dass diese Dopingergebnisse erst lange nach seiner Karriere bekannt wurden und durch Bestechung vom US Verband vor jeden Olympischen Spielen eine Veröffentlichung verhindert wurde. So, wie bei 8 der 10 besten Sprinter oder Läufer im Allgemeinen. Auch bei der WM in London laufen wieder Sportler die zuvor schon des Dopings überführt und gesperrt wurden und ..., gewinnen wieder Gold. Absurd finden Sie? Ja, aber eingeschaltet wird trotzdem, denn unsere Athleten sind bestimmt sauber, denn diese sind einfach zu schlecht, um gedopt zu sein. Wieder falsch. Schlechtes abschneiden hat selten etwas mit Doping zu tun, sondern mit professionellem Training und da habe selbst ich in meiner Jugend mehr gemacht, als Teilnehmer von Weltmeisterschaften, aber ich musste auch nicht nebenher arbeiten, studieren oder in irgendwelche Trainingscenter fahren. Meine Zeit galt dem Trainig, aufstellen von Plänen, kontrolle meiner Leistungen und richtiger Ernährung.Ich musste auch nicht für mein Land den Beweis antreten besser zu sein, als ein anderes politisches System, so wie Sport heute betrieben wird.

Leider ist niemand am Austrocknen dieser Umstände interessiert, selbst wenn Russland als ganze Nation gesperrt wurde, was armselig ist, angesichts der Dopingmöglichkeiten und deren schnelle Verschleierung durch andere Medikamente, die mit aktuellen Methoden nicht nachzuweisen sind, erst in ein paar Jahren und wer interessiert sich dann noch für Olympia Rio? Niemand, denn Sport ist nur Live interessant und nur dann lassen sich Botschaften und Werbung verkaufen. Und nur dann wird "Big Money" gemacht. Rückzahlungen a la Lance Armstrong sind höchst selten, da jeder in dieser Branche weiß, wie solche Leistungen zustande kommen, aber man redet nicht drüber, außer mal unser ehemaligen Kaiser Beckenbauer, der so lapidar über ein paar Spritzen vor dem Spiel geplaudert hat und alle lachten darüber, außer vielleicht die Verlierer. Sind denn alle Sportler gedopt?

Natürlich nicht! Nur werden SIE den Unterschied nicht sehen, wenn Sie nicht wissen, wie sich ein voll austrainierter Körper anfühlt und wie dünn die Grenze zwischen einem fantastischen Tag und einer normalen Höchstleistung ist. Das Usain Bolt keine Spitzenleistung mehr bringen kann, sieht man alleine an den Muskelansätzen seiner Oberarme (nein, kein Scherz) die nicht dieselbe Ausprägung ausweisen, wie zu seinen besten Zeiten. Ergebnis von viel zu wenig Training, entweder durch Verletzungen, denn ein Sportlerkörper altert im Zeitraffer oder fehlender Motivation die vielen Stunden zu arbeiten, die für eine Goldmedaille ausreichen. Er muss also nie gedopt haben um so gut zu sein, aber Sie sollten immer bedenken. Ein Sportass kann seine Bestform nie auf Befehl abrufen, sondern nur 95 Prozent, der Rest ist Tagesform und die 100 % erreicht niemand oft in seinem Leben, weil ein Körper die maximale Leistung eigentlich nur unter tödlicher Bedrohung abgibt und die ist nicht täglich simulierbar.

Mein Zitat von heute stammt von Voltaire (1694-1778, François-Marie Arouet) französischer Philosoph und Schriftsteller. "Wir sind verantwortlich für das, was wir tun, aber auch für das, was wir nicht tun." 

Es grüßt Sie Ihr gemütlich trainierter Arno von Rosen, Buchautor, Kolumnist, Blogger und Nichtmehrsportgucker. Falls Sie Sport betreiben, machen Sie Pausen, falls nicht, bewegen Sie sich endlich von der Kiste weg! Und die Schlaumeier unter Ihnen sollten wissen, dass Winston Churchill zwar 91 Jahre alt wurde, aber einen Herzinfarkt und zwei Schlaganfälle zuvor hatte.