Gastkolumne: Arno von Rosen: Arbeitsmoral

Den Deutschen wird ja gerne einiges an Klischeés nachgesagt. Sie seien pünklich, zuverlässig, fleißig und vieles mehr. Ebenso werden die Japaner gesehen, doch stimmen diese Behauptungen wirklich? Und was könnten die Gründe dafür sein? Sicher ist nur, dass sich solche Vorurteile über lange Zeiträume entwickeln und nur schwer wieder aus den Köpfen anderer Nationen verschwinden. Bei positiven Eigenschaften ist das natürlich kein Problem, nur wenn es mal ans Eingemachte geht, zeigt jeder gerne mit dem Finger auf andere, deshalb fange ich jetzt bei mir an.

Ich war nicht immer ein Workaholic, aber wäre ich jetzt keiner, könnte ich meine Selbstständigkeit kaum überleben, doch bevor ich Manager war, Geschäftsführer und Unternehmensberater (nein, ich habe dem Schäfer nicht gesagt wie viele Schafe er besitzt), war ich mal sehr jung. Um genau zu sein, ich war 17 Jahre, als ich mein Elternhaus verließ, was gleichzeitig bedeutete, keine Unterstützung mehr zu bekommen. Da ich vom echten Leben keine Vorstellung hatte (für die jüngeren Leser = null Checkung) begann ich mich durchzuwurschteln. Neben Zeichnungen, mit denen sich gutes Geld verdienen ließ, verdingte ich mich in zahlreichen Jobs, unter anderem in einer Brotfabrik. Es ist kein Spaß mit samtweichen Händchen jeden Tag 30 Tonnen Brot zu bewegen, an Öfen mit 250 Grad zu stehen, bewaffnet mit mehrlagigen Sicherheitshandschuhen, welche dreimal pro Schicht durchbrannten und so war mein Verhalten nicht sonderlich professionell. Ich schluderte, wo es nur ging, kam regelmäßig 5 Minuten zu spät zur Arbeit, diskutierte mit dem Abteilungsleiter über jeden Scheiß und flog natürlich raus, als ich mich am Finger verletzte.

Zu diesem Zeitpunkt war mir nur wichtig genug Geld zu haben, um eine Wohnung zu bezahlen, etwas zu Essen zu haben und jedes Wochenende unterwegs zu sein und ich meine JEDES Wochenende. Selbst 41 Grad Fieber hielten mich da nicht ab. Krank geht immer noch am Montag ;-) Mit einem Wort, ich war ein "Faulpelz" und wer Deutsche nach mir beurteilt hätte, wäre schreiend davon gelaufen:D Solche Jobs habe ich gleich dutzendweise ausprobiert, immer auf der Suche nach Spaß, etwas Geld und vor allem Erfüllung. Die gab es nicht, doch eines habe ich in den Situationen gelernt. Respekt vor den Menschen, die so etwas ihr Leben lang durchhalten, denn dafür bin ich nicht gemacht. Erst als ich lernte nicht jedem zu sagen was ich so dachte, wurde es leichter und die Jobs dauerten länger, natürlich auch, weil ich zwischenzeitlich Vater geworden war und die Anwesenheit meiner Frau den nötigen Druck auf meinen Schweinehund ausübte. Als ich endlich das Büro als mein neues Zuhause entdeckte (ich wollte nie so einen Kasten von innen sehen), fand ich mein berufliches Glück und wurde der Vorzeigearbeiter vor dem Herrn.

Dabei habe ich unglaublich viele verschiedene Menschen und ihre Mentalitäten kennen gelernt und bemerkt, dass ganz andere Kriterien den durchschnittlichen Deutschen zur Arbeit treiben. Pünktlich sind wir (meistens), doch nicht, weil wir Pünktlichkeit lieben (bei anderen schon), sondern weil wir uns einen Vorteil davon erhoffen und mal ganz ehrlich. Sind Sie nicht ein bisschen schadenfroh, wenn Ihr Terminpartner nach Ihnen eintrifft? Ein gutes Gefühl, gelle? :-) (es ei denn der Drecksack kommt viel zu spät) Zuverlässig sind wir natürlich ebenfalls, aber nur mit Genörgel und Grimmen (ja, wir Deutsche sind Weltmeister im jammern, wirklich!), denn nichts möchten wir mehr als alles schleifen zu lassen und so sehen unsere Wochenenden dann auch sehr oft aus. Es wird gerne gebummelt, ob beim Aufstehen oder schon dem Frühstück, es sei denn wir haben etwas konkretes vor, dann kann man wieder die Uhr nach uns stellen ;-) Ganz schlimm ist auch die Unterstellung mit dem Fleiß. Der Deutsche ist nicht wirklich fleißig, nicht in dem Sinne wie es die Japaner sind, denn wir wollen nur nicht, dass unsere Kollegen besser dastehen als wir und wenn dieses häufig vorkommt (aus dem Grund musste ich Manager werden), werden wir liebevoll von unseren Kollegen gehasst, denn fleißige Mitarbeiter versauen den Leistungsschnitt und bringen die Chefs nur auf dumme Gedanken, von wegen Mehrarbeit.

Sie sehen, wie schnell die Vorurteile entkräftet werden können, wenn man nur genug Menschen kennen gelernt hat und mit ihnen arbeiten durfte. Natürlich sind das Innenansichten und selten existiert ein Chef, der wirklich etwas von Mitarbeiterführung versteht. Wie auch, der durchschnittliche Boss ist so bereits von der Uni gekommen, mit all dem schönen theoretischen Wissen und absolut null Ahnung wie Menschen funktionieren, die sich nicht ihr halbes Leben auf Holzbänken rumgedrückt haben. Dabei wollen die meisten Arbeiter und Angestellten nur wenig von ihrem Job. Gerechte Bezahlung (und natürlich keine Lügen, warum es dieses Jahr keine Gehaltserhöhung gibt, während draußen die Chefs ihre Nobelkarossen im Schatten parken) und Anerkennung. So einfach ist das. Dann und wirklich nur dann sind die Deutschen gerne pünktlich, zuverlässig und fleißig und ihnen kommt höchstens mal ein kecker Spruch über die Lippen, wenn wieder mehr Arbeit anfällt, als sich eigentlich schaffen lässt.

Nicht jeder will oder kann Chef werden, aber jeder verdient Respekt, sogar der Boss, falls er alles für seine Mitarbeiter getan hat, denn wer kein Einzelkämpfer ist, so wie ich, der benötigt Menschen die nicht schon Sonntagmittag darüber nachdenken wie übel der nächste Tag wird. Trotzdem sind wir das produktivste Völkchen der Erde, also kann nicht alles falsch sein was wir machen und an dem Spaß arbeiten wir ja noch, stimmts? ;-)

Mein Zitat heute stammt von Oscar Wilde (1854-1900) irischer Lyriker, Dramatiker und Bühnenautor.

"Arbeit erscheint mir nie als Realität, sondern als Mittel, der Realität aus dem Wege zu gehen."

Es grüßt Sie Ihr zunehmend abschlafender Arno von Rosen (Arbeitsalter 67 - juhuuu), Buchautor, Kolumnist, Blogger, Fotograf und Sklaventreiber, Geissel der eigenen Arbeitswelt und Rekordhalter im Dauermalochen. Wenn Sie in Lohn und Brot stehen, gönnen Sie sich mal ein Brötchen und wenn Sie der Cheffe sind, kaufen Sie Ihren Mitarbeitern mal ein Eis (nein, nicht abgepackt, Sie Knauser).

Foto: aus dem Bestand von Arno von Rosen



Gastkolumne Arno von Rosen: Monopol der Gewalt

Nur hin und wieder äußere ich mich politisch oder zu bestimmten Ereignissen. Zu sehr sind alle Nachrichten mit negativen Informationen durchsetzt. Das ist jetzt keine Medienschelte, sondern unserer menschlichen Natur geschuldet, die bei tragischen Vorgängen, Gewalt, Tod oder Katastrophen mehr Anteil nimmt, als bei positiven Nachrichten, es sei denn, diese „guten Ereignisse“ beeinflussen einen Großteil der jeweiligen Nation, wie bei einem Gewinn einer internationalen Sportveranstaltung oder ähnlichem. Helden sind eben vergänglich, während das Böse eine gewisse Faszination auf uns ausübt.

Terror stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „Schrecken“. Der englische Mathematiker, Staatstheoretiker und Philosoph Thomas Hobbes (1588-1679) verwendete den Begriff im Zusammenhang der Spanischen Armada, welche den Angriff auf England vollzog, wobei seine Mutter mit ihm als Frühgeburt nieder kam. Später sagte er darüber, dass seine Mutter damals Zwillinge zur Welt gebracht hatte, ihn und die Furcht. 1789 warfen die französischen Aufklärer Frankreichs der Regierung Terror vor, nur um diese Gewalt wenige Jahre später selbst auszuüben. Wenn wir also über eine Sache Gewissheit haben ist es, dass der Terrorismus weder ein islamisches, noch ein außereuropäisches Problem darstellt, sondern grundsätzlich von Staaten ausgeübt wurde. Heute hat sich diese Definition geändert in Randgruppen, die mit Gewalt und Tod den Staat in die Knie zwingen wollen, in dem sie die Bevölkerung verängstigen.

Allen Kriegen auf europäischem Boden gingen Terrorakte voraus, begleiteten diese und wurden nachher weitergeführt, natürlich nur zum Schutz der eigenen Bevölkerung. Ob nun in der ehemaligen Sowjetunion (genau wie im heutigen Russland), in der ehemaligen DDR oder auch in der Bundesrepublik Deutschland. Zuerst übte der Staatsapparat die Gewalt aus und wenn sich zumeist ein kleiner und junger Teil der Gesellschaft dagegen auflehnte, schlug der Staat oft unverhältnismäßig dazwischen. So entstand zuerst die 68er Studentenbewegung, aus der dann kurze Zeit später die RAF resultierte. Damit das Gewaltmonopol bei Polizei und Bundeswehr blieb, wurden sogar Anschläge (zusammen mit Italien) verübt, um ein Aufrüsten zu rechtfertigen. So erleben wir es heute wieder. Dieser Umstand rechtfertigt weder die Gewalt der RAF, noch jeder anderen Terrorgruppe, erklärt aber teilweise deren Entstehung.-

Kein Anschlag vergeht ohne das darauf hingewiesen wird, dass es keine absolute Sicherheit gibt, wir uns dem Terror nicht beugen werden, aber das wir Freiheiten für ein sichereres Leben aufgeben müssten. Hierfür benötigt man dann mehr Kameras, mehr Datenvorratshaltung, durchsichtigere Bürger, Kontrollen oder lückenlose Überwachung durch die Errungenschaften der Technik und die ist vielseitig und kommt oft als Freizeiterschaffer daher. Dabei werden mit diesen Methoden kaum Gewalttäter zu überführen sein oder daran gehindert werden Terror auszuüben. Fast in jedem der zuletzt häufigen Anschläge hat sich gezeigt, dass die Täter längst im Raster der Behörden waren, nur haben es nicht einmal die Bundesländer geschafft sich untereinander auszutauschen. Ein so unmögliches Versäumnis, dass alleine schon wegen der Lächerlichkeit des Kompetenzgerangel duzende Köpfe rollen sollten, auch auf Ministerebene, denn das unwürdige Verhalten unserer Politiker kostet Menschenleben und zieht allenfalls Absichtserklärungen nach sich, jedoch nie echte Konsequenzen.

Natürlich wird dann sofort nach schärferen Gesetzen gerufen, aber sind wirklich die Gesetze schuld? Werfen Sie hier einfach einen Blick in Artikel 20 unseres Grundgesetzes. Die paar Zeilen sollten Ihnen die Augen öffnen, denn eigentlich werden wir geradezu aufgefordert ungehorsam zu sein, wenn wir als Bürger feststellen, dass unser Land vom Terror bedroht wird. Nur, was sollen wir tun, wenn diese Gewalt von der Regierung ausgeht? Was ich meine? Natürlich Waffenlieferungen in Länder auf Umwegen, in die wir eigentlich nicht liefern dürften, aber dennoch Mittel und Wege finden Saudi Arabien, das nördliche Afrika und den mittleren Osten unter Waffen zu stellen und wenn wir es nicht machen kommen die Russen oder die Amerikaner und das „Geschäft“ läuft an uns vorbei. Wir werden nicht gefragt und ein Wahlkampfthema ist dies auch nie, sollte es aber sein.

Um 30 Milliarden soll unser Militärbudeget in den nächsten 5 Jahren wachsen auf etwa 70 Milliarden. Doch wessen Schutz finanzieren wir eigentlich? Greifen uns die Russen an? Nordkorea? China? Nahoststaaten? Und wenn es so wäre, was hülfen uns bessere Panzer, schnellere Flugzeuge, Drohnen, gerade schießende Gewehre oder nichtrostende Hubschrauber? Gar nichts, denn so findet kein Krieg der Zukunft statt. Und die innere Sicherheit? Noch ist im Grundgesetz ausgeschlossen die Bundeswehr für die innere Sicherheit einzusetzen und das hat gute Gründe die noch nicht so lange zurück liegen. Flintenuschi hat sehr pathetisch auf die armen Soldaten hingewiesen, die für unsere Sicherheit und Freiheit in Friedensmissionen in der Welt unterwegs sind und doch eine gute Ausrüstung bräuchten. Natürlich sollen unsere Soldaten nicht mit Besenstielen im Ausland rumlaufen, sie sollen überhaupt nicht ins Ausland reisen, denn es gibt für sie dort überhaupt nichts zu tun, denn die Gewalt ist durch die Bundeswehrausbilder kein Stück zurückgegangen und dennoch haben viele unserer Soldaten mit dem Leben dafür bezahlt

Natürlich bin ich nicht naiv und eine kompetente Einsatztruppe ist wichtig, nicht nur beim Wechsel der Bundespräsidenten, aber anstatt mehr Soldaten einzustellen, sollte deren Zahl drastisch reduziert werden auf höchstens 50.000 beschränkt, denn wir werden nicht wie zu Napoleons Zeiten auf dem Schlachtfeld gegeneinander antreten, sondern im Ernstfall sorgen diese Einheiten für die Sicherung von Logistik, denn sie können auf niemanden schießen, der sich in das System eines Kernkraftwerkes hackt, um uns den Saft abzudrehen, unsere Wirtschaft zum kollabieren bringt, oder Flugzeuge zwingt am Boden zu bleiben. Der Verteidigungsetat müsste also eher schrumpfen, aber wer weiß schon wirklich wo diese Milliarden in der Zukunft wirklich landen, nur sicher nicht bei unseren Kindern oder deren Zukunftsaussichten. Bereits jetzt gibt es schon Stimmen auch von unseren Klimazielen Abstand zu nehmen (Wie Trump für die USA), weil die Klimaerwärmung auch positive Seiten habe, zum Beispiel mehr Schiffsrouten durch weniger Eis an den Polen (nein, kein Scherz). Und der Mist stammt nicht von den sogenannten dahergelaufenen Parteien, sondern von der CDU/ CSU.

Mein Zitat von heute stammt von Mark Twain (1835-1910) amerikanischer Schriftsteller.

"Man vergiss vielleicht, wo die Friedenspfeife vergraben wurde, aber man vergisst niemals wo das Beil liegt.“

Es grüßt Sie Ihr friedliebender Arno von Rosen, Buchautor, Kolumnist, Blogger und Einmischer. Sollten Sie einen Politiker treffen, fragen Sie ihn nicht nach Steuerentlastung, fragen Sie ihn einfach wie er Frieden schaffen möchte. Danach wissen Sie sicher wen Sie nicht wählen wollen.


Foto: aus dem Bestand von Arno von Rosen



Gastkolumne Arno von Rosen: Zeit hat eine Geschwindigkeit

Keine Angst, dies wird weder ein Beitrag über Science Fiction oder Isotherik im weitesten Sinne, noch der Versuch Sie mit mathematischen Formeln zu langweilen. Ernsthaft! Es geht um Sie, um Sie ganz alleine. Nicht über die anderen 7 Milliarden Menschen (die haben alle ihr eigenes System) auf dem gesamten Planeten oder auf fremden Welten (okay, den musste ich jetzt doch machen). SIE haben eine individuelle Zeit, die sich weder nach einer Uhr richtet, Ihrem Lebensalter, Ihrer Arbeit oder anderen Vorgaben des täglichen Lebens. Mit einer Ausnahme. Ihrer internen Arbeitsgeschwindigkeit. Ihrem inneren Prozessor (falls Sie jetzt denken, "was schwafelt der Typ da?" - ich meine Ihr GEHIRN).

Auch wenn ich Sie nicht persönlich kenne, werde ich gleich beweisen wie Sie bzw. Ihr Gehirn funktioniert, warum Sie Stress empfinden und wie Ihr bestes Stück (bei Männern wird das sehr häufig verwechselt) funktioniert, zumindest ansatzweise. Als erstes testen wir mal ein bisschen Ihr Wissen über sich selbst. Sollte ja nicht so schwierig sein oder? Wenn Sie mit meinen Antworten zufrieden sind,  nicken Sie leicht und lassen Sie das Kopfschütteln, weil Ihnen die Fragen zu einfach sind, denn dann unterschätzen Sie mich (und dürfen sich dann fragen, ob dies mein Ziel war). Sie sehen mit den Augen! Sie nicken, wie schön :-) Sie hören mit den Ohren, riechen mit der Nase, fühlen über die Haut (wir lassen heute mal den Herzschmerz beiseite) und schmecken mit der Zunge. Sie können aufhören zu nicken, denn Sie haben nichts richtig beantwortet.

Meine liebe Dr. Nessy ist ja bekanntlich vom Fach und reibt sich vor Vergnügen sicher schon die Hände, aber es gibt eine einfache Antwort. Alle Ihre Sinnesorgane sind nur Abtaster der Realität und zwar nur Ihrer eigenen und die ist nicht zwangsläufig die allgemeingültige Realität, denn die gibt es nicht! Ob Augen, Ohren, Haut, Zunge oder Nase, all diese liebgewonnen Ausstattungen sind nichts weiter als Messinstrumente, welche mit ungeheurer Geschwindigkeit elektronische Impulse an Ihr Gehirn weiter geben. In etwa so, wie ein Temperaturfühler am Auto, nur eben besser, viiiiiel besser. Und abgesehen davon, dass wir eigentlich mit der Zunge riechen, stimmen die restlichen Funktionen der Sinne mit unserer Vorstellung überein. Das alleine wäre schon ganz nett (ja ja, ich weiß das nett der kleine Bruder von Sch... ist) würde mich aber keinesfalls zu einem Artikel bewegen. War doch klar oder? 

Außerdem wäre ich ja nicht leidenschaftlicher Koch, wenn ich nicht unser täglich Brot mit einfließen lassen könnte. Wir alle haben unsere Lieblingsspeisen. Die verbinden wir mit besonderen Erlebnissen, ob in der Kindheit oder auch im späteren Leben und immer wenn wir diesen Geruch (von mir aus auch Duft, ich kenne ja Ihre Vorlieben nicht) wahrnehmen, vermittelt er uns ein Glücksgefühl, denn dann werden Endorphine ausgeschüttet (Körpereigene Glückshormone). Das geht vom leckeren Schnitzel über Eissorten und Omis Kuchen, bis zu einer Dose kalter Ravioli (Tim Mälzer). Dabei muss dieses Lieblingsgericht nicht jedem schmecken und bei anderen kann das sogar leichte Würgereflexe auslösen (kalte Ravioli aus der Dose? Ernsthaft?!), aber wie kam es dazu? Sie liegen schon ganz richtig, denn bei Omis Kuchen habe ich natürlich mit dem ganzen Zaun gewunken, gelle!? 

Unser Gehirn hat zu diesem besonderen Anlass die Datenmenge exorbitant erhöht und damit Ihre Erinnerung nicht nur viel länger erscheinen lassen, als diese tatsächlich gedauert hat, sondern dieses Erlebnis wurde Umfangreich abgespeichert (weil es vielleicht ein sehr glücklicher Moment war). Wenn Sie so wollen hat Ihr Gehirn einen kompletten Scan durch alle Ebenen durchgeführt ohne auf den Speicherplatz Rücksicht zu nehmen und weil die Datenmenge so gewaltig war, haben die Gehirnzellen länger benötigt, als bei den oberflächlichen Abtastungen in Alltagssituationen, wie einem schnellen Imbiss oder dem Brötchen auf der Hand. Die gute Nachricht ist, Sie können Ihren Speicherplatz niemals aufbrauchen und Sie benutzen immer Ihr ganzes Gehirn und nicht nur 5 %, wie gerne mal erzählt wird. Abgesehen davon ist unsere graue Masse das komplexeste Ding was die Menschheit im gesamten bekannten Universum bisher erforscht hat, natürlich nur einen winzigen Bruchteil davon.

Übrigens gefallen uns schwarz/ weiß Aufnahmen besser (unterbewußt), als Farbaufnahmen. Diesen Umstand haben wir ebenfalls unserem Gehirn zu verdanken, denn es kann bei mit ohne Farbe mehr Informationen verarbeiten und deshalb kommen uns solche Bilder oft Detailreicher vor. Und überhaupt verarscht Sie Ihr Gehirn wo es nur geht, denn es setzt automatisch Informationen ein, die Sie nicht wirklich gesehen haben und so fällt Ihnen überhaupt nicht auf, ob sich auf der Strecke zur Arbeit etwas verändert hat. Diese Information hält Ihr Gehirn für irrelevant und überblendet die fehlenden Teile eigensinnig in Ihren Live-Stream, was Ihr Leben stressfreier macht. Fahren Sie allerdings eine neue Strecke, welche Sie noch nie benutzt haben, fährt Ihre Gehirn die Leistung sofort hoch, was einer späteren Orientierung dienen soll (funktioniert bei Frauen wohl nicht richtig). Das ist dann negativer Stress, den Sie aber wieder vergessen. Positiver Stress wäre die lange Fahrt in den Urlaub und da setzt Ihr Gehirn gerne einen ausgiebigen Marker und Sie können damit dann noch Ihre Enkel langweilen. Dasselbe Prinzip gilt auch für globale Ereignisse wie dem 11. September 2001, wo so ziemlich jeder weiß, wo er sich aufgehalten hat und was gerade getan wurde.

Was haben wir noch? Unfälle, zum Beispiel, kommen uns aus diesem Grund auch ewig vor, weil unser Gehirn auf Vollleistung stellt und deshalb haben wir das Gefühl unser Leben zieht an uns vorbei oder wir können sogar aktiv entscheiden doch noch unsere Körperposition zu ändern, um uns nicht so schwer zu verletzen, was übrigens wirklich funktioniert, nur eben nicht generell, sondern nur bei bestimmten Gehirnen, die entweder stark trainiert oder von Geburt an für mehr Geschwindigkeit ausgelegt sind. Woher ich das weiß? Letztes Jahr durfte ich an einer Forschungsstudie der Uni Marburg teilnehmen, die mein Gehirn unter Volllast während einer Kernspintomographie aufgezeichnet hat. Das hat mit allen Test einen halben Tag gedauert ohne jegliche Pause. In der Röhre selber musste ich Aufgaben lösen, Gedächtnisübungen absolvieren usw. was bei diesem ständigen Krach wirklich anstrengend war. Je nach Aufgabengebiet lag mein IQ zwischen piep und piep*, was einen ja in meinem fortgeschrittenen Alter durchaus freut.

Die Punktzahl ändert sich übrigens auch, je nachdem wie häufig das Gehirn trainiert wird, also nicht dauernd RTL II gucken, gelle! Mein Talent hat übrigens viel damit zu tun, dass mein Gehirn viel mehr aufzeichnet als gewöhnlich, weshalb ich öfter Ruhephasen benötige, um diese Daten alle zu verarbeiten, aber irgendwas ist ja immer

Mein Zitat von heute stammt von Christian Morgenstern (1871-1914) deutscher Schriftsteller, Dramaturg, Journalist und Übersetzer.

 Arno von Rosen
"Jeder Menschenkopf ist eine Sonne, und seine Gedanken sind die überall hindringenden unsichtbaren Strahlen. Könnten wir sie, wie bei der Sonne, mit unseren leiblichen Augen schauen, so würden sie uns in ihrer Gesamtheit erscheinen wie ein großer Lichtkreis, an dessen Ausdehnung und Leuchtkraft leicht zu erkennen wäre, einen Stern wievielter Größe wir vor uns haben.“

Es grüßt Sie Ihr kopflastiger und bauchfühliger Arno von Rosen, Buchautor, Kolumnist, Blogger und Brillenträger (sieht alleine schon sehr intelligent aus). Sollten Sie noch Fragen haben, wenden Sie sich bitte an jemand anderes, bei übriggebliebenen Antworten empfehle ich Günther Jauchs Wissenssendung!

*piep ersetzt die Zahlen piep und piep aus Nichtangebenwollengründen ...



Gastkolumne Arno von Rosen: Der Bonus Mensch

Die früheste Einteilung der Menschheit bezeichnet heute der Begriff "Sammler und Jäger", wobei es um die tatsächliche Jagd auf Tiere und das Sammeln von essbaren Pflanzen ging. Später kam dann der Tausch hinzu und der Wert richtete sich nach der Seltenheit des Objektes und dem Verlangen es zu besitzen. So konnte jemand, der alleine über eine Quelle (Monopol) an Tauschbaren (z.B. bunte Steine für Schmuck) verfügte, viel leichter sein Leben bestreiten, als ein Jäger, welcher sich oft in Gefahr begab, verletzt oder sogar getötet zu werden. Der Markt war erfunden, auch wenn er zunächst nur in den einzelnen Gruppen nach individuellen Regeln vollzogen wurde. Doch bald erweiterte sich der Handel hin zu anderen Gruppen. Merke: der Kaufmann verdient sein Geld nicht beim Verkauf, sondern beim Einkauf. Es war also fast schon eine logische Entwicklung unseren heutigen Einkaufs-/ Produktionsmarkt so weit auszuquetschen wie nur irgendwie möglich. Wir lieben es einfach einen besseren Preis zu bekommen als xyz, denn dann sind wir clever, also überlegen und damit fortpflanzungstechnich attraktiv (Jupp, auch hier geht es um Sex, toll nicht?). Keine Angst, ich bin ebenfalls der Bonus-Typ, aber wo steckt er tatsächlich drin und wie entdecken wir ein echtes Schnäppchen?

Bildunterschrift hinzufügen
Viele hat es früher instinktiv zu Sommer- und Winterschlussverkauf gezogen, um ein gutes Geschäft zu machen, aber waren die immer gut? In den letzten Jahren, bevor dieses alte Verkaufsinstrument abgeschafft wurde, nicht mehr, denn viele Händler, vor allem im Textilbereich, ließen dafür extra Serien anfertigen, auch mit minderer Qualität, denn diese Produkte wurden regelmäßig vom Umtausch ausgeschlossen. Danach ging dann das los, was wir heute als Dauersuperhypersensationsangebote kennen (jeder Verkäufer rechnet spätere Rabatte zuvor in den Verkaufspreis hinein). Da ist es egal, ob es sich um ein Automobil, ein Handy, einen Kredit oder Winterklamotten handelt. Kein Verkäufer stellt sich gegen die Marktpsyche des Kunden und die funktioniert am besten über das Belohnungssytem, denn auf dieses sind wir bereits seit Kindertagen trainiert. "Iss deinen Teller auf, dann scheint die Sonne" (hab ich als Kind echt geglaubt) oder "Wenn du brav bist, bekommst du später ein Eis". Sie wissen was ich meine und das setzt sich sowohl in einer Partnerschaft als auch im Berufsleben fort und dafür benötigt es nicht einmal Worte, denn ein Blick des Partners entscheidet schon über die spätere Belohnung, die man/ frau sich ja nicht versauen will (ich setzte eine funktionierende Partnerschaft voraus, sonst geht der Schuss womöglich nach hinten los) oder der Chef, der einem durch die Blume mitteilt, dass es bald eine freie Stelle in besserer Position geben könnte (die Kunst der Kommunikation zwischen Boss und Angestellten liegt darin, den Mitarbeiter so schnell über den Tisch zu ziehen, dass er die Reibungshitze als Nestwärme empfindet). Klar geben wir dann noch mehr Gas, auch wenn der Blödian es jedem der 30 Kollegen mitteilt, aber da wir sowieso zur Stütze der Firma gehören (was auch sonst) bekommen wir sicher den Job. Trotzdem strengen wir uns unwillkürlich an, es geht schließlich um einen Bonus. Ob der sich dann wirklich lohnt und das meiste vom Mehrverdienst nicht bei Vater Staat landet und die zusätzliche Verantwortung uns nicht auch noch den letzten Spaß an der Arbeit nimmt, steht auf einem anderen Blatt. Oft tun wir solche Dinge schon wegen der protzigeren Visitenkarte, gelle ;-)

Um ein echtes Schnäppchen zu machen, muss ich mich dennoch wirklich anstrengen, weil diese nicht so offensichtlich sind, wie uns viele Schilder und Popups (das sind die Werbebotschaften im Internet, die mir schon gar nicht mehr auffallen, weswegen diese fast totale Geldverschwendung sind) glauben machen möchten. Um den wirklichen Wert eines Produktes zu kennen, muss man nicht nur den Handel dieser Ware über einen längeren Zeitraum auf allen Ebenen verfolgen (Zeitung, Geschäft, Internet usw), was schon schwer genug ist, man muss auch noch das Glück haben zum richtigen Zeitpunkt das Schnäppchen zu entdecken und auch kaufen zu können. Was nützt Ihnen schon eine 2000 Euro teure Kaffeemaschine, die für 1500 Okken verscherbelt wird, wenn auf dem Konto Ebbe herrscht. Eben. Egal wie oft wir nicht zu einem wirklich gutem Geschäft kommen (was auch immer bedeutet, dass der Verkäufer einen guten Deal macht) wir geben es nicht auf, denn irgendwann findet jeder sein goldenes Ei ;-) Ich muss natürlich nicht extra erwähnen, dass alle Elektrogroßmärkte etwa 6 Wochen vor der Weihnachtssaison die Preise anheben, dann damit das festliche Geschäft (und damit nicht selten 50% des Jahresumsatzes) machen, im Januar die Preise wieder drastisch senken, mit einem etwas besseren Preisverhältnis als vor der Erhöhung, aber nur, weil danach die neue Technik Einzug hält (wie jetzt alljährlich am Markt demonstriert wird) und mein Weihnachtsgeschenk sofort üppig an Wert verliert. Ja ja, dass Bessere ist immer der Feind des Guten. Das wußte schon meine Omi.

Doch Sie haben den ganzen Schrumps ja nicht gelesen, um zu erfahren wie selten ein toller Kauf gelingt, sondern wie Sie leicht und schnell Geld verdienen können ohne das Heim verlassen zu müssen. Haben Sie noch nie von gehört? Doch, es geht, denn ich mache es schon seit Jahren. Irgendwann war ich es mal leid überall zu lesen, dass Neukunden dies und jenes bekommen, wenn sie nur zum neuen Anbieter kommen, jetzt eine Karte beantragen oder sogar die Bank wechseln. Ich wollte auch etwas vom Kuchen abhaben, traf aber überall auf taube Ohren und kassierte nur doofe Sätze wie, "da können wir leider nix machen, denn das Budget ist nur für Neukunden", oder "günstiger können wir es nicht machen, aber wir hätten da gerade ein attraktives Zusatzangebot für Sie“. "Ja genau, ihr mich auch“, dachte ich und entwickelte eigene Strategien. Meine TV Zeitschrift (inwischen habe ich gar keine mehr, es gibt ja Online Dienste), kündigte ich und warb dafür meine Frau. So bekam ich einen 75 Euro Tankgutschein (achten Sie immer darauf einen Bonus zu nehmen, der wie Bargeld funktioniert und weder andere Waren noch tatsächlich Bargeld auszusuchen, dann erhalten Sie den größten Gegenwert) und freute mich darüber entweder die Zeitschrift fast kostenfrei ein Jahr zu erhalten oder für umme an die Tanke zu fahren. Neun Monate später haben wir einfach getauscht und sie hat mich geworben ;-) Sie wollen noch mehr?

Kaufen Sie nix mehr auf Internetplattformen ohne vorher zu gucken, ob dafür Gutschein-Codes existieren (hier ein Beispiel). Verlassen Sie sich nicht auf Preisvergleichsseiten, denn die Listen in der Regel nur Anbieter von denen sie auch eine fette Provision erhalten (Verivox & Co.), Outletstores können Angebote haben und wenn Sie Ausflüge lieben, machen Sie das, aber echte Schnäppchen sind da eine Seltenheit, sonst würden sich diese Unternehmen ihren eigenen Markt kaputt machen, gelle :-) Immer noch nicht genug? Kündigen Sie jedes Jahr Ihren Strom-/ Gasanbieter und lassen Sie sich als Neukunde bei einem anderen Anbieter die Taschen voll machen. Seien Sie aber bitte nicht so nachlässig wie ich, denn sonst werden Sie bei der dritten Anfrage desselben Anbieters abgelehnt und Unternehmen wie Stromio machen Ihnen nach der dritten Kündigung in 6 Jahren das Leben schwer mit falschen Abrechnungen, zeitverzögernden Kündigungsbestätigungen, Inkassoandrohungen (für die falsche Abrechnung) usw, nur um sicher zu gehen, Sie nie wieder als Kunden begrüßen zu können/ müssen, weil es in diesem Fall wirklich ein gutes Geschäft für SIE und nicht für die Unternehmen ist (Keine Bange, Anbieter gibt es wie Matsch nach einem Dauerregen).

Bitte bedauern Sie jetzt kein Unternehmen, denn jeden Tag stehen Millionen Kunden auf und bezahlen zu viel, da kann man Ihnen doch einen kleinen Erfolg gönnen, oder? Machen Sie einfach mehr aus Ihrem Geld, denn besser Sie, als andere ;-)

Mein Zitat von heute stammt von John Ruskin (1819-1900) britischer Schriftsteller, Maler, Kunsthistoriker und Sozialphilosoph. Sein Zitat wird eigentlich nur in sehr verkürzter Form verwendet mit dem Satz "Ich bin zu arm, um mir etwas Billiges kaufen zu können." Hier nun das Original.

 Arno von Rosen
"Es gibt kaum etwas auf der Welt, das nicht irgend jemand ein wenig schlechter machen kann, um es etwas billiger zu verkaufen. Die Menschen, die sich nur am Preis orientieren, werden die gerechte Beute solcher Machenschaften. Es ist unklug, zuviel zu bezahlen, aber es ist noch schlechter, zuwenig zu bezahlen. Wenn Sie zuviel zahlen, verlieren Sie etwas Geld, das ist alles. Wenn Sie zuwenig zahlen, verlieren Sie manchmal alles, da der gekaufte Gegenstand die ihm zugedachte Aufgabe nicht erfüllen kann. Das Gesetz der Wirtschaft verbietet es, für wenig Geld, viel Wert zu erhalten. Nehmen Sie das niedrigste Angebot an, müssen Sie für das Risiko, das Sie eingehen, etwas hinzurechnen. Tun Sie dies, dann haben Sie auch genug Geld, um für Besseres, etwas mehr auszugeben."

Es grüßt Sie Ihr sparfüchsiger Arno von Rosen, Buchautor, Kolumnist, Blogger und Bonus-Mensch. Denken Sie bitte daran, wenn Sie Fieber bei der Jagd nach Schnäppchen bekommen; machen Sie eine Pause, setzen sich hin und trinken Sie etwas. Das macht das Angebot nicht besser, gibt Ihnen aber ein gutes Gefühl und einen Moment zum Innehalten, denn vielleicht brauchen Sie das neue DING ja gar nicht (Damenschuhe sind selbstverständlich ausgenommen). 


Gastkolumne Arno von Rosen: Das ist 100 % sicher!

Natürlich lehne ich mich nicht grundlos aus dem Fenster und was ist schon 100 Prozent sicher? Mir fällt da nur eine einzige Sache ein. Der Tod. Er ereilt wirklich jeden von uns und es spielt ausnahmsweise mal keine Rolle, welchen Stand wir bekleiden oder aus welchem Land wir stammen. Das es natürlich Regionen mit hungernden Menschen, mit Krieg. Missernten usw gibt. Geschenkt. Es ist nicht mein heutiges Thema und ich will einen lustigen Beitrag dazu schreiben. Nein, Sie haben sich nicht verlesen. Zugegeben, alle Todesfälle in meinem Leben hatten fast ausnahmslos die Auswirkung mich furchtbar zu fühlen. Dabei kam zuerst Fassungslosigkeit, danach tiefe Bestürzung und Trauer, dem folgte nicht selten schiere Wut, wie es denn sein könne, dass sich ein von mir geliebter Mensch einfach aus dem Staub macht und mich hier quasi mutterseelenalleine zurück lässt. Mir fehlt somit keinesfalls die nötige Empathie Ihren kürzlich erlittenen Verlust ernst zu nehmen, im Gegenteil.

Ich habe erlebt wie beim Tod meines kleinen Bruders ein ganzes Dorf geweint hat, auch weil sich mein Vater weinend auf sein Grab geworfen hat, oder ruhigere Beerdigungen, wie bei meiner Großmutter, wo zwar alle bestürzt waren, aber gefasst oder bei anderen verblichenen Verwandten, wo es gelangweilt am Grab zuging, bis sich bereits an der Kaffeetafel heftig über die zu verteilenden Vermögensgegenstände (so heißt es juristisch) gestritten wurde. Vermögen ist übrigens kein Gegenstand jeglicher von mir gelesenen Statistik, dennoch ist es in meiner Familie eine verbreitete Todesursache. Es ist bestimmt ein Fehler in meiner Familie noch vermögend zu sein, wenn man sich nicht mehr ordentlich zur Wehr setzen kann, aber ich habe jedenfalls aus der Geschichte gelernt. Wie, das klingt herzlos? Na ja, ein bisschen schon, aber vielleicht beruhigt es den einen oder anderen feinen Charakter von Ihnen zu wissen, dass jene vermögenden Verblichenen keine wirklichen Gutmenschen waren und ihrerseits nichts ausgelassen haben, um sich den Platz in der Hölle redlich zu verdienen. Ich bin sogar überzeugt die Eine oder der Andere haben bereits vor dem Ableben in der ersten Reihe reserviert. Das geht nicht?! Mit einer Erfahrung aus knapp 800 Jahren Familiengeschichte werde ich gar nichts mehr für unmöglich halten. 

Auch wenn der kleine Exkurs zu meiner Familie sich zunehmend erheiternd liest, ist es doch nur für wenige Ohren bestimmt, auch wenn Kapitalverbrechen nach 30 Jahren nicht mehr strafrechtlich verfolgt werden können, aber man trifft sich ja bekanntlich immer zweimal im Leben, oder vielleicht kurz danach. Haben Sie gewusst, dass 2,5 mal mehr Menschen geboren werden als sterben? Das ist der Durchschnitt weltweit und gilt nicht für Deutschland, da ist die Bevölkerung allgemein nicht sooooo fortpflanzungswillig wie in anderen Ländern außerhalb Europas, denn wir EUler sind etwas Lendenlahm, auch wenn die Franzosen dauernd ..., na Sie wissen schon, aber mal ehrlich. Ich glaube auch nicht jeder Statistik und Umfrage, denn wenn mich jemand fragen würde wäre meine Antwort, "ich komme gerade vom Pop..., äh Stelldichein und bin bereits auf dem Weg zum nächsten!" Wer gibt sich schon gerne die Blöße und antwortet, "eigentlich wollen wir ja dauernd, aber wenn ich von meinem Smartphone hochsehe, schläft mein Tiger schon." (Klar, alleine deswegen hab ich natürlich kein Smartphone, meine Frau leider schon). Wer sich mal ausgiebig mit den Geburten via Live-Ticker beschäftigen möchte, guckt bitte hier :-) Einfach mit der Maus über die Länder gleiten und sich in Echtzeit Geburt und Tod angucken. Engländer unter meinen Lesern dürfen selbstverständlich Wetten abschließen, worüber auch immer!

Die Haupttodesursache in Deutschland ist natürlich nicht die gähnende Langeweile der TV Sender und ihren Programmen, sondern tatsächlich ernste Dinge wie Herz-Kreislauf mit 350.000 Toten, gefolgt von Krebsleiden mit fast 250.000 Sterbefällen. Ungefähr 21 Prozent aller Statistik-Opfer fallen unter "Sonstiges", was einem ja echt die Recherche versauen kann, denn was sind das für Abgänger? Einfach alt und umgefallen? Beim Selfie mit runtergelassener Hose auf dem Klo verschieden? Man weiß es nicht. Jedenfalls scheiden etwa 975.000 Menschen im Jahr bei uns aus dem Konsumprozess aus und werden nach einem letzten finanziellen Kraftakt dezent auf einem Friedhof, im Wald oder in einem anonymen Grab verbuddelt oder gleich dem Meer überantwortet. Mich kann man gerne gleich in die Lahn streuen, schließlich endet ja jeder Fluss irgendwo in einem Meer, gelle? Aber Sie müssten alle gar nicht sterben! Na ja, irgendwie schon, aber erst viiiiel später und das wäre doch schon ein üppiger Bonus, oder ;-) Die meisten Herz-Kreislauf Erkrankungen sind gar nicht so schwer zu verhindern. Nein, falsch geraten. Low Carb und Paleo Ernährung scheiden ebenso aus aus wie Schlimm- Fraß, äh Slim Fast, oder anderer Schwachsinn, der in jeder guten Zeitschrift beworben wird, kaum hat man sich mühselig 2 Pfund über Weihnachten angefuttert. Wer jede Woche drei längere Spaziergänge macht, tut da schon sehr viel für sich. Krebs ist natürlich schon schwieriger zu bekämpfen, denn da geht es nicht nur um Ernährung, sondern ebenfalls um Tabak, Feuerwasser und alles so ein Kram den wir für unsere individuelle Seligkeit konsumieren. In meiner Familie sind das keine Sünden, aber die benötigen diese Substanzen auch nicht, um das kühle feuchte Abstellplätzchen vor ihrer Zeit zu erreichen.

 Arno von Rosen
Doch ich tauge nicht zum Gesundheitsapostel. Jeder soll so glücklich werden wie er mag. Das sagte jedenfalls der alte Fritz (König Friedrich II 1712-1786), weshalb er wahrscheinlich auch meinen Uronkel überstützt aus seinen Diensten entließ, später allerdings von seinem Sohn Friedrich-Wilhelm wieder eingestellt und mehrfach befördert wurde (das hat ihn dann spätestens bei Waterloo wieder glücklich gemacht). Immerhin wurde Gebhard Leberecht schon ziemlich alt, was sich in der Familie weiter fortsetzte, meistens jedenfalls. Sie sehen also, das es möglich ist, den Tod etwas hinzuhalten, wenn man will, auch wenn er uns zum Schluss alle holt. Damit niemand sagen kann, ich hätte mich hier nur in Unsinn verstiegen, baue ich ein paar Links ein, zu denen tennissockentragende, holzbodentretende Langzeitpensionäre ein gewaltiges Statistik-Schärflein beigetragen haben und bevor jetzt wieder jemand schreit ich würde Beamten diffamieren. Es ist nur eine Statistik von Deutschen Versicherungsgesellschaften, welche Bevölkerungsgruppe besonders gerne versichert wird :-)  




Mein Zitat von heute stammt aus der Feder von Marcus Aurelius, Römischer Kaiser und Philosoph (121-180)


"Der Tod lächelt uns alle an, das einzige was man machen kann ist zurücklächeln." 

Es grüßt Sie Ihr quicklebendiger Arno von Rosen, Buchautor, Kolumnist, Blogger und Gesundkocher. 

Stellen Sie sich doch mal vor, wie die Statistiker in 30 Jahren gucken, wenn es nicht 9 Milliarden Menschen auf der Welt gibt, sondern 9.0001, weil Sie alle mitgemacht haben beim am Leben bleiben. Das wäre schon superlustig oder?

Foto: aus dem Bestand von Arno von Rosen




Gastkolumne: Arno von Rosen- Ware Mensch

Ostern steht vor der Tür. Im besten Falle verbringen wir die Feiertage mit Familie und Freunden. Wir sprechen, wir essen, wir spazieren, wir verbringen einfach gemeinsame Zeit miteinander, ohne Hast und Alltagssorgen. Vielleicht ist es aber auch eine Gelegenheit durch die Geschäfte zu ziehen, um zu kaufen, zu schenken, Party zu machen (sofern möglich) und dann geht diese Zeit an uns vorbei ohne mehr zu sein, als eines von vielen Wochenenden, nur eben ein wenig länger, sonst nichts.

Ich bin mit so ziemlich allen Religionen aufgewachsen, die man kennt und war als Sohn von ... sicher ein besserer Student, als einige andere,  die jene Kurse meines Vaters besuchten. Doch Religion bedeutet mir nichts, Jesus bedeutet mir nichts und Gott, ob nun bärtiger Greis oder weise Frau, sind Geschichten aus einer brutalen Zeit, ohne jegliches Mitgefühl, alleine denen vorbehalten, die das "Sagen" hatten, während der Rest der Menschheit ums Überleben kämpfte, meistens täglich. Jünger, Pilger, Weise, Erleuchtete oder Propheten zogen hinaus in die Welt, um das Wort zu verkünden, welches Frieden, Erlösung und Güte bringen sollte. Ich habe nichts gegen Religionen, sofern es den Menschen hilft,  besser ihren Alltag zu bestehen, doch hüte ich mich vor jenen, die Religion wie ein Moralschwert vor sich hertragen, um es mir vor Augen zu halten, damit ich ein Besserer werde als ich bin. Die Geschichte zeigt dennoch nur einen blutigen Pfad, sieht man mal von Randerscheinungen wie Ghandi und wenigen anderen ab. Jeder rechnet die Zivilisierung von einem anderen Zeitpunkt für sich. Die Einen beginnen vor 10.000en Jahren, die Anderen beginnen bei den alten Griechen, manche ab dem Mittelalter. Und ich?

Irgendetwas haben wir schon, aber eine Zivilisation nach den uns selbst genannten Maßstäben haben wir nicht. Noch nicht einen einzigen Tag lang. Sicher werde ich den Zeitpunkt auch niemals erleben, selbst, wenn ich alt würde wie Methusalem, doch will ich an der Oberfläche kratzen, egal wie sinnlos es erscheint, wie blutig die Finger, wie endlich mein Leben, meine Kraft oder meine Zuversicht sind. Je älter ich werde, desto offener werden meine Augen und ich sehe Armut. Bei alten Menschen, die auf Parkbänken sitzen, obwohl sie lieber in einem Café wären, Alleine in den letzten 10 Jahren hat sich diese Altersarmut mehr als verdoppelt und liegt jetzt bei über 530000 Hartz IV Beziehern und unsere Jahrgänge kommen erst noch, mit gebrochenen Arbeitsleben, Jobwechseln, Umzügen, Lehr- und Leerzeiten. Es werden Millionen sein und Millionen werden ihnen ehrenamtlich helfen. Ehrenamt. Ein wundervoll bestialisches Wort, denn es gibt keine Ehre zu verdienen, wenn man denen hilft die Hilfe benötigen und es ist ebensowenig ein Amt, denn es gibt nichts zu verdienen, außer inneren Frieden, welcher stets von kurzer Dauer ist, denn in dem Moment, wo ich diese Tätigkeit unterbreche, geht das Elend ungebremst weiter.

Menschen werden mit Billiglöhnen ausgenutzt, denn sie müssen essen, wohnen, sich kleiden, wohlwissend oder ignorierend, dass auch 10 Euro Stundenlohn am Ende des Lebens Hartz IV bedeutet. Es existiert da draußen eine gigantische Armee zukünftiger Zukunftsloser, Aussichtsloser und Gesundheitsloser. Vielleicht stammt daher das war Loser (Verlierer), denn eigentlich haben sie nichts mehr zu verlieren. Wer jemals an diesem Punkt war nichts mehr zu verlieren zu haben, weiß, dass dieses absolute innere Leere bedeutet. Da ist kein Frieden mehr, kein Glauben und vor allem keine Liebe, auch nicht zu sich selbst. Und dann? Diese Menschen sind gefährdet und gefährlich zugleich, denn nach unserem Gesetz ist es verboten sich und andere zu verletzen oder gar zu töten. Dabei ist der Akt des Selbstmordes ein allerletztes Stück Freiheit, sofern wir niemanden sonst verletzen. Dies gilt natürlich in erster Linie bei unheilbaren Kranken, aber auch viele ältere Menschen sind des Lebens überdrüssig. Sie warten Tag für Tag auf den Moment, wo alles vorbei ist und sind doch so wertvoll, denn sie generieren Geld, sehr viel Geld, eine zukunftssichere Industrie mit atemberaubenden Wachstumsprognosen. Natürlich will fast niemand diese Alten, obwohl unser größtes Bestreben selbst ein hohes und vitales Alter ist. Die Jugend braucht nichts und wenn, sie hat Zeit, doch das Alter kostet, ist aber weder innovativ noch einträglich, es ist wie es ist. Zurzeit nutzlos.

Überall höre ich das ältere Menschen gebraucht werden. Ihr Wissen, ihre Zeit, vielleicht ihre Weisheit, aber gerne kostenfrei, denn wer gibt schon gerne Geld aus für Menschen die schon froh sind überhaupt noch einen Sinn im Leben zu erfüllen. Viele von uns werden nicht arbeiten bis sie 67 sind. Wir werden weit länger arbeiten, müssen. Klar, gerne ehrenamtlich. Nur macht diese Ehre nicht satt, nicht im eigentlichen Sinne, doch baut unser Staat auf diese Menschen, welche sich kostenlos in den Dienst der Gemeinschaft stellen, obwohl die allermeisten selber nicht viel haben, denn wer viel hat, besitzt eines auf gar keinen Fall. Zeit. Obwohl jeder in der Wirtschaft einen guten Grund vorweisen kann, warum er nicht kostenlos arbeiten kann, soll doch jeder normale Bürger gefälligst nicht so gierig sein, nicht mal bei seinem eigenen Tod, denn obwohl die Organverpflanzungen notwendig sind, tausende von Leben retten im Jahr und jeder Arzt und jedes Krankenhaus daran bestens verdienen, gehen die toten ehemaligen Beitragszahler völlig leer aus. Ja, sie haben dem Dienst des Lebens zu gehorchen, der Ehre, der Bescheidenheit und nicht zu vergessen, der Moral.

 Arno von Rosen
Es ist völlig unmoralisch für die Organe eines geliebten Menschen Geld zu nehmen oder seine eigenen zu spenden, um nach dem eigenen Tod seine Lieben versorgt zu wissen. Warum eigentlich? Wir sind doch eine Ware, immer und überall. Jeder behandelt uns so, jeder sieht uns so und natürlich werden wir nach Wert eingestuft und behandelt, doch eine tatsächliche Gewalt über unser Leben wird uns entzogen, von Geburt an bis zum sicheren Tod. Eine Patientenverfügung ist natürlich ein Mittel ein Leben zu beenden, das sowieso keines mehr ist und die einzige Möglichkeit uns dem Warenstrom zu entziehen. Will ich sterben? Nein, genauso wenig wie jeder von Euch, aber ich will mein Leben selbst bestimmen, immer und überall. Das gilt auch für jeden anderen Menschen auf der Welt, ob er es nun weiß oder nicht, er sollte frei sein, satt sein, geborgen und geliebt sein. Darüber denke ich dieser Tage nach und bin unendlich dankbar kostbare Stunden mit geliebten Menschen zusammen zu sein, für die ich immer alles geben würde, so, wie wir es für andere Menschen auch empfinden sollten, nicht weil es chic ist, oder gerne von Oben gesehen wird, sondern damit wir eines Tages keine Ware mehr sind, sondern eine gemeinsame Zivilisation.

Mein Zitat von heute stammt von Albert Schweitzer (1875-1965, Friedensnobelpreis 1952) "Wem eigene Schmerzen erspart bleiben, der muss sich aufgerufen fühlen, die Schmerzen anderer zu lindern."

Es grüßt Sie Ihr Arno von Rosen, Buchautor, Kolumnist, Blogger und dieser Tage sehr ruhig und nachdenklich. Schauen Sie nach allen Seiten und verschenken Sie ein bisschen Ihrer Zeit, es kostet weniger als Sie denken.

Foto: aus dem Bestand von Arno von Rosen